BERÜHMTE LEXIKA – DER ZEDLER
Als der Leipziger Verleger Johann Heinrich Zedler 1732 begann,
sein \"Großes vollständiges Universal-Lexikon\" herauszubringen,
war allein aufgrund des geplanten Umfangs dieses Unternehmens
absehbar, dass im Fall eines erfolgreichen Abschlusses ein Nachschlagewerk
von maßstabsetzender Bedeutung vorliegen würde. So
steht denn auch in der Vorrede der ersten Ausgabe: \"Es
unternimmt der Verleger dieses Universal-Lexici ein Werck /
daran noch kein anderer / weder in Teutschland, noch außerhalb
in andern Reichen und Staaten, sich wagen dürfen.\" Und
in der Tat gilt \"der Zedler\" heute unbestritten als
wichtigste deutschsprachige Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts.
Zedlers Lexikon erhob den vom barocken Sammeleifer geprägten
Anspruch, das gesamte Wissen seiner Zeit zu vereinigen. Neben der
Materialfülle besticht das Werk noch heute durch seine Genauigkeit
und Zuverlässigkeit. Um dieses Ziel zu erreichen, bediente sich
der Verleger eines Stabes von Redakteuren, die als verantwortliche
Sachbearbeiter für ihre Spezialgebiete wirkten. Die Koordination,
Aufsicht und die meisten Schreib- und Korrekturarbeiten übernahm
dabei ein Hauptredakteur. Da mit Zedler gleichzeitig die neue, später
auch von Brockhaus, Herder oder Larousse gepflegte Sitte begann, das
Verlagshaus und nicht mehr einen Verfasser oder Herausgeber mit dem
Werk zu identifizieren, ist über die eigentlichen Autoren der
Artikel nur wenig bekannt.
Weit über den geplanten Umfang hinausgewachsen, stand das gewaltige
Werk nach zwei Jahrzehnten mit seinen 64 Foliobänden als die
größte und bedeutendste Enzyklopädie deutscher Sprache
im 18. Jahrhundert zur Verfügung, ein Zeugnis buchhändlerischer
Tatkraft, ein großer Spiegel des Wissens einer Epoche, eine
Quelle der Unterrichtung, aus der Zeitgenossen wie Nachkommende schöpften.
Es ist bis heute das umfangreichste unter den abgeschlossenen deutschen
Lexika.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
LEXIKOGRAFISCHE STILBLÜTEN
Was im Lexikon steht, muss doch richtig sein, oder? Aber jedes
Lexikon ist auch ein Kind seiner Zeit. In einem Querschnitt
aus 200 Jahren Lexikongeschichte versammeln drei Autoren die
kuriosesten Einträge der dickleibigen Wälzer. Für
alle Lebensmüden erklären Brockhaus und Meyer um 1900
detailliert die Durchführung des japanischen Harakiri,
eines rituellen Selbstmordes der Samurai.
Mit Sexualität beschäftigt sich der Brockhaus von 1894
besonders gerne. Ausgefallene sexuelle Verhaltensmuster stehen im
Vordergrund. Diese werden bis zum Exzess ausgewalzt. So wird die Nymphomanie
als das \"unnatürlich gesteigerte Verlangen der Frauen nach
Geschlechtsgenuß\" definiert. Eine Erkrankung, die auch
völlig sittsame und keusche Frauen befallen könne. Von Wüstenhalluzination über
Nacktkultur, Prügelstrafe, Nonnensausen bis hin zum Fußschweiß wimmelt
es nur so von lexikografischen Stilblüten und Irrtümern
auf bezaubernde Weise, nachzulesen in: Werner Bartens / Martin Halter
/ Rudolf Walther: Letztes Lexikon.
LEXIKASPASS
Regelmäßig tauchen spaßhafte Einträge in Lexika
und Enzyklopädien auf. Wie genau die Spaßartikel heute
ihren Weg in die Lexika finden, bleibt unklar. Früher konnte
dies nicht nur aus Spaß, sondern auch aus Berechnung geschehen.
Die Herausgeber von Lexika achteten bei der Redaktion nur auf formale
Kriterien wie Literaturhinweise und vergaßen einfach, die
Einträge auch auf sachliche Richtigkeit zu prüfen. Die
Autoren nutzten diese Lücke, um ihren kargen Lohn aufzubessern.
Sie wurden nur nach Anzahl der abgelieferten Zeilen und nicht nach
Dauer und Gründlichkeit ihrer Recherche bezahlt. In die 1887
publizierten „Appleton\'s Cyclopedia of American Biography“ fanden
angeblich bis zu zweihundert gefälschte Lebensläufe ihren
Eingang – die genaue Zahl ist nie geklärt worden.
„U-Boote“ heißen die Artikel unter Kennern. Denn
formal stimmt alles bei den Einträgen der scherzhaften Art: Abkürzungen,
Querverweise, Quellen- und Literaturangaben sitzen dabei völlig
korrekt. Sogar vor höchsten staatlichen Instanzen macht der Schabernack
nicht halt. Laut der Datenbank des Deutschen Bundestages sitzt in
der SPD-Fraktion ein zusätzlicher Abgeordneter: Jakob Maria Mierscheid,
der sich um Aufzucht und Pflege der geringelten Haubentaube in Mitteleuropa
und anderswo verdient gemacht hat.
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