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KÖDERN MIT GEWINNSPIELEN – TEUER FÜR DEN KUNDEN

Es klingt zu schön, um wahr zu sein, gerade in der momentanen wirtschaftlich so schweren Situation: “Sie haben gewonnen!!” schreit es förmlich aus den Briefen und Karten, die man in einem persönlich adressierten Umschlag erhält. Man habe einen Preis in Höhe von 5.000 Euro gewonnen, oder ein Auto, oder eine Reise – wenn ja, dann nur, wenn man diese Karte ausgefüllt zurückschickt und Produkte im Wert von 100 Euro bestellt.

Dies ist nur eine der vielen Varianten, mit denen dubiose Hersteller versuchen, unbedarfte Menschen dazu zu bringen, Produkte zu ordern, die sie nicht brauchen. In der Hoffnung, einmal ein Glückspilz zu sein und das große Los gezogen zu haben, sehen viele Menschen gar nicht, dass sie nie an einem Gewinnspiel teilgenommen haben, den Namen der Firma noch nie gehört haben, und dass es kein Gewinn ist, wenn man erstmal eine Menge Geld ausgeben muss, um einen Gewinn zu erhalten.

Denn meist bleibt es nicht bei einer einmaligen Produktbestellung. In immer mehr Kleingedrucktes werden die Menschen verwickelt, die in die Falle getappt sind: nur durch die Bestellung immer weiterer Produkte kann man den Preis erhalten, der meist nur Fiktion ist. So bleibt man auf immer mehr Koffersets, elektronischen Geräten oder Zeitschriftenabonnements mit Knebelverträgen sitzen. Es beginnt ein Teufelskreis: um die Verluste, die man durch den Kauf dieser Waren erlitten hat, wieder wett zu machen, hofft man immer mehr auf die versprochenen Geldsummen oder Sachpreise. Man merkt oft gar nicht mehr, wie weit man sich schon in Ausgaben stürzt, um dem vermeintlichen Glück hinterher zu jagen. Wacht man auf, ist es meist schon zu spät – und so manch einer hat sich schon in große Schulden gestürzt, um all die Dinge kaufen zu können, die zum Gewinn führen sollen. Denn je zögerlicher diese Firmen mit der Gewinnausgabe sind, desto schneller reagieren sie mit Mahnungen und Zahlungsaufforderungen, gerät man auch nur kurz in Verzug.

Die Firmen sind oft schwer zu greifen: durch viele Umwege, Hintermänner und Briefkastenfirmen bleiben die eigentlichen Drahtzieher oft unbekannt. Servicenummern kosten bzw. sind nicht besetzt, und wenn man jemanden erreicht, hat die Person meist keine Ahnung.

Die Front dieser Glückszocker bröckelt schon seit einigen Jahren. Die ersten findigen Anwälte, die solche Gewinnversprechen erhalten haben, erfochten sich ihren Preis vor Gericht – und somit setzte eine Spezialisierungs-Welle ein: immer mehr Anwälte zogen für einzelne Klienten oder als Vertreter für eine Gruppe von Betroffenen vor den Richter und setzten die Gewinnansprüche ihrer Kunden durch.

Dem Schindluder mit den Gewinnversprechen hat der Bundesgerichtshof dann endgültig einen Riegel vorgeschoben: nach einem Grundsatzurteil sind die per Post zugesandten Gewinnversprechen rechtsgültig, d.h. ein versprochener Gewinn muss auch ausbezahlt werden.

Klingt gut und wiederum verlockend - doch trotz dieser Stärkung des Verbraucherschutzes sollte man immer noch sehr vorsichtig sein, wenn man so ein Gewinnversprechen erhält. Zwar kann man den Gewinn einklagen und hat gute Chancen auf einen Sieg vor Gericht, doch kostet dies Zeit und Aufwand. Die Hintermänner müssen gefunden und zur Rechenschaft gezogen, bereits bestellte Produkte meist doch bezahlt werden. Außerdem steht zu erwarten, dass sich diese finsteren Gestalten bald neuer Tricks bedienen werden – denn das ist die Schwierigkeit in der Juristerei: auf die Formulierung kommt es an. So gibt es einen riesengroßen Unterschied zwischen “Sie haben 100.000 Euro gewonnen!” und “Sie können 100.000 Euro gewinnen!” - doch in der Euphorie wird der kleine Konjunktiv gerne übersehen, zumal man sicher sein kann, dass die Bedingungsklausel nur sehr klein gedruckt ist und alles dafür getan wird, den potentiellen Gewinnern vorzugaukeln, dass der Gewinn quasi schon da ist.

Sollte man also nicht über eine gute und günstige Rechtsschutzversicherung und einen spezialisierten Anwalt verfügen, ist es besser, von diesen bunten Briefchen die Finger zu lassen. Möchte man vermeiden, dass die Werbeflut weiter den Briefkasten verstopft und in Versuchung führt, gibt es zwei Tricks, dies zu stoppen. Zum einen kann man anrufen, und die sofortige Einstellung der Zusendung von Werbesendungen durch die betreffende Firma fordern. Da viele der angegebenen Telefonnummern jedoch teure Gebühren nach sich ziehen bzw. der Erfolg zweifelhaft sein dürfte, empfiehlt sich eine andere Taktik: die eigene Adresse durchstreichen und den Brief ungeöffnet mit dem Vermerk: “Annahme verweigert, zurück an Absender” wieder in den Briefkasten zu stecken. Denn hier trägt dann der Absender die Portokosten – Sie werden sich wundern, wie schnell ihr Briefkasten sich vom bunten Werbemüll erholt.

(Alle Angaben ohne Gewähr)


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