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Arbeitsschutz

DER ARBEITSSCHUTZ – ESSENTIELLER BESTANDTEIL ALLER LEBENSLAGEN

Wenn man heute als Angestellter einer Firma krank wird, ist die Lösung meist ganz einfach: man greift zum Hörer, meldet sich krank, geht zum Arzt, lässt sich für ein paar Tage krank schreiben und kann sich in Ruhe zu Hause erholen – ohne Angst, entlassen zu werden und ohne Lohnabzug. Was so einfach und selbstverständlich klingt, ist das Ergebnis eines langen Kampfes der Arbeiter während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Arbeitsschutz ist heute ein zentraler Bestandteil jedes Arbeitnehmerverhältnisses und reicht meist weit über das hinaus, was so landläufig unter Arbeitsschutz verstanden wird.
Nicht nur Schutzkleidung und Mutterschutz, sondern auch Ergonomie, Mobbing, Betriebsklima, Muskel- und Knochenkrankheiten durch Büroarbeit, Monitorstrahlung, Arbeitszeiten und Pausenregelungen gehören zu diesem Komplex dazu.

Kein Wunder, dass bei dieser Fülle von Anwendungsgebieten auch eine Menge Organisationen und Institutionen Arbeitsschutzrechte bekannt machen und die Arbeitnehmeransprüche durchsetzen wollen. Vom Verein, der gegen Mobbing im Beruf vorgehen will, über die Landesämter für Arbeitsschutz bis hin zur Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, alle setzen sich für Aufklärung und Verbesserung von Betriebsbedingungen ein.

Um hierher zu kommen, mussten die Kämpfer für gesünderes und menschenwürdiges Arbeiten aber einen langen Weg zurücklegen. Bekannt sind die grausamen Bilder aus den Anfängen der Industrialisierung: Arbeiter, Männer wie Frauen, saßen wie Vieh zusammengepfercht in stickigen, engen und dunklen Fabrikhallen und verrichteten stupide über Stunden hinweg die gleichen Handbewegungen. Kinder wurden in schlecht gesicherte Minen geschickt, um die kostbare Kohle zu fördern, die für die Fabriken gebraucht wurden. Pausen, Urlaub und Krankenversicherungen gab es nicht – wer nicht mehr konnte, flog raus, ohne dass Arbeitgeber für die Arztrechnung aufkamen, die sie ja selber mit verursacht hatten. Einzelne hatten keine Chancen, gegen diese Praxis zu klagen – der nächste Arbeitslose stand schon vor der Tür.

Kein Wunder, dass sich die Arbeiter angesichts dieser Zustände bald organisierten und Widerstand auf den Plan riefen. In Deutschland war es vor allem die SPD, die für die Rechte der Arbeitnehmer eintrat. Sie forderte Krankenversicherung, Urlaub, Arbeitspausen und vieles mehr, was bei den Arbeitgebern und der Regierung Bismarck auf taube Ohren stieß. Doch die sozialen Ungleichheiten wuchsen, und damit auch die Not und die soziale Unruhe. Die SPD erhielt immer mehr Zulauf, was Bismarck sehr missfiel. Um diesem Erfolg der verhassten Arbeiterpartei einen Riegel vorzuschieben, rang sich der Reichskanzler zu einem tiefgreifenden Entschluss durch: er führte Krankenversicherungen und Pensionskassen ein, um so zwar vornehmlich seine eigene, aber dadurch auch die Position der Arbeiter zu stärken.

Damit erreichte der Kanzler aber nur eine kurzzeitige Beruhigung der Situation, denn die Arbeiter forderten mehr – menschenfreundliche Arbeitsbedingungen, Arbeitslosengeld, Kündigungsschutz. Sie gingen dafür auf die Strasse, streikten (was im Übrigen auch illegal war), wurden ins Gefängnis geworfen, ihre Anführer wurden bedroht und umgebracht. Viele ließen ihr Leben, bis endlich das Streikrecht eingeführt wurde und man von der Strasse an den Verhandlungstisch wechselte, um zivilisiert über die Rechte der Arbeiter zu sprechen.

Manch einer mag heute über Leute lächeln, die die Arbeitersolidarität hochhalten und die Internationale singen – doch sollte man damit vorsichtig sein. Durch den Kampf der Arbeiterbewegung, der oft gefährlich und noch öfter blutig war, wurden Rechte für Angestellte erkämpft, die heute als selbstverständlich erscheinen. Egal ob bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die Mittagspause, sowie der Mutterschutz oder die Elternzeit – all dies sind Errungenschaften, für die im 19. Jahrhundert der Grundstein gelegt wurde.

Bei Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 waren denn auch viele Dinge selbstverständlich, und vieles mehr ist seitdem passiert. Von der Abschaffung der Über-Kopf-Arbeit in Autofabriken bis hin zur Rotation am Fließband, um Monotonie und Krankheiten durch wiederholte gleiche Bewegungen zu vermeiden – bis in die 1980er wurde Arbeitsschutz hauptsächlich auf Arbeitstechniken bezogen. Die Herausforderungen haben sich jedoch verändert und auch diesen soll weiter begegnet werden.

Die manuelle Arbeit ist also sozusagen rundum geschützt. Heute spielen ganz andere Dinge eine Rolle: Nichtraucherschutz und Mobbing, Computerkrankheiten und Burn-Out-Syndrom. Es sind eher sekundäre Probleme, für die Rechte eingefordert werden und besonders die psychologischen Gefahren verbreiten sich immer weiter. Beratungsstellen, bei denen man sich anonym Hilfe holen kann, wenn man gemobbt wird, haben Hochkonjunktur. Aber auch das Burn-Out -Syndrom fordert immer mehr Opfer: das Gefühl, nichts mehr leisten zu können, keinen Erfolg mehr zu haben und vor den einfachsten Aufgaben zu kapitulieren.

Früher betrafen beide Syndrome eher die oberen Etagen, das Managementlevel und wurden dementsprechend behandelt – bist Du nicht stark genug, dann hast Du da oben nichts zu suchen. Doch in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit nimmt der Druck zu. Kann man den Kollegen wegen Kündigungsschutz nicht hinauswerfen, so muss er eben zum Gehen “überredet" werden - oder schlicht und einfach, er wird hinausgeekelt.

Das Burn-Out-Syndrom ist eher selbst gemachtes Mobbing: aus Angst um den Arbeitsplatz arbeiten viele immer mehr, ständig auf der Hut vor Fehlern, mit der Unsicherheit im Nacken, gekündigt zu werden, sollte man nicht absolut unentbehrlich sein. Dadurch wächst der Druck, der Stress – bis irgendwann die Diagnose lautet: Burn-Out-Syndrom. Auch hier versuchen Verbände, Aufklärung zu leisten und rechtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, diesen Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme auch mit Geldern von Arbeitgebern zu helfen.

Egal aber, welches Problem entsteht – durch den Kampf der Arbeiter im 19. Jahrhundert ist heute gewährleistet, dass Arbeiterrechte anerkannt und auch durchgesetzt werden. Und vor dieser Leistung sollte man auch heute noch den Hut vor diesen mutigen Menschen ziehen.

(Alle Angaben ohne Gewähr)


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