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Etiketten

ETIKETTEN – INTELLIGENZ IN EINEM AUFKLEBER

Etiketten sind für Verbraucher eigentlich etwas Ärgerliches: beim Anprobieren von Kleidung hängen sie im Weg rum, man braucht meistens eine Schere, um sie loszuwerden, und gerade dann, wenn man sie eigentlich braucht, z.B. zum Umtausch, sind sie abgefallen, ohne das man es gemerkt hat. Was ist aus den guten alten Preisaufklebern geworden, denkt sich manch einer verzweifelt, als der Müll nach dem Stück Papier mit Barcode durchwühlt wird.

Und die Schlangen an den Kassen werden durch die Scanner an den Kassen auch nicht billiger. Im Gegenteil, in manchem Discounter war das Kassenpersonal schneller beim Eintippen der Preise nach einem bestimmten Code-System als beim Scannen der Produkte – zumal hier jedes Teil einzeln am Scanner vorbeigezogen werden muss. Abgesehen davon, dass dies länger dauert als das Tippen, es ist auch eine nahezu unmenschliche Belastung für das Kassenpersonal – in einer 5-Stunden-Schicht wird da schon mal insgesamt eine Tonne hochgehoben. Neue Krankheitsbilder, die auf diese Dauerbelastung zurückzuführen sind, halten bereits Einzug.

In nicht allzu ferner Zukunft wird damit Schluss sein – denn mit den intelligenten Etiketten werden Kassen höchstens noch für Notfälle oder Rabattaktionen bereit stehen. Wie das funktioniert? Ganz einfach: jedes Produkt wird mit einem so genannten RFID-Etikett ausgestattet (Radio Frequency Identification-Etikett), also einem Etikett, das einen kleinen Sender eingebaut hat und auf Anfrage ein bestimmtes Signal auf einer bestimmten Frequenz aussendet. Dieser Sender, der die Etiketten abfragt, ist natürlich sehr schwach, auf ein paar Meter begrenzt, z.B. im Ausgangsbereich des Supermarktes. Man lädt sich also alle gewünschten Produkte in den Einkaufswagen, verlässt den Supermarkt und das Lesegerät fragt die Frequenzen der Waren im Einkaufskorb ab. Dann wird automatisch der Preis berechnet und entweder direkt von Ihrem Bankkonto abgebucht (dazu identifiziert man sich beim Betreten des Supermarktes) oder aber man zahlt wie an einem Parkautomaten den entsprechenden Preis.

Einkaufen wird also zum gemütlichen Spaziergang durch den Supermarkt und nicht mehr das Gehetze durch die Gänge, um noch vor der Familie mit Grosseinkauf für die nächsten zwei Wochen an der Kasse zu sein. Klingt extrem nach Zukunftsmusik? Noch ja – denn die intelligenten Etiketten sind noch zu teuer, um großflächig eingesetzt zu werden. Einen ersten Testlauf im intelligenten Supermarkt gab es aber schon – Claudia Schiffer schob werbewirksam ihr Einkaufswägelchen durch die Gänge. Wobei zu bezweifeln ist, dass das Supermodel dies tatsächlich im alltäglichen Leben tut.

Doch die Welt der “Smart Labels” soll nicht am Ausgang des Supermarktes enden – nach Willen von Herstellern aller möglicher Produkte soll die ganze Welt mit Lesegeräten ausgestattet werden, vom Supermarkt über das Auto bis hin zur Wohnung. Damit können die Hersteller nämlich den Weg ihres Produktes von der Wiege bis zur Bahre verfolgen. Sie wüssten auch, wo wer wie viel eines Produktes gekauft hat – eine etwas unheimliche Vorstellung, Big Brother lässt grüßen.

Bereits der viel beschworene intelligente Kühlschrank, der erkennt, wann die Milch zu Neige geht bzw. die Essiggurken das Verfallsdatum überschreiten, und dann selbstständig neue Produkte ordert, wurde von den meisten Testpersonen abgelehnt. Zu krass war der Eingriff in die eigene Entscheidung, was man wann kaufen will, die Kontrolle über die Rechnung geht verloren, da man nicht weiß, was der Kühlschrank alles so bestellt. Da schon dieser Versuch abgelehnt wurde, wäre es verwunderlich, wenn die Verbraucher damit einverstanden wären, wenn die Hersteller aller Produkte quasi Dauergast im Haus wären und einem beim Essen ständig über die Schulter schauen würden.

Ein weiterer Nachteil wäre auch, dass das Kassierpersonal quasi völlig abgeschafft wäre. Höchstens für Notfälle wären noch ein oder zwei Kassierer von Nöten – alle anderen würden in die Röhre schauen.

Fazit: Praktisch sind intelligente Etiketten mit Sicherheit, vor allem, um Wartezeiten in Supermärkten abzuschaffen. Doch scheinen die Pläne der Industrie über das Ziel hinauszuschießen – die durchsichtigen Konsumenten, der Traum aller Marketingleute, werden sich warm anziehen müssen, wenn sie sich ihre Privatsphäre bewahren und sich entsprechender Werbefluten entziehen wollen. Ohne Proteste und Restriktionen durch Datenschutzgesetze wird dies sicher nicht über die Bühne gehen.

(Alle Angaben ohne Gewähr)


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