VERPACKUNGEN – DA STECKT VIEL DAHINTER!
Verpackungen nehmen wir meistens nur bewusst war, wenn sie besonders
hübsch oder besonders unpraktisch ist: im ersteren Fall, da wir
sie dann unter Umständen aufheben, im zweiten Fall, da es sehr ärgerlich
ist, der Verpackung mit Messern, Scheren oder sogar Zähnen zu
Leibe rücken zu müssen, um sie auf zu bekommen.
Wie so oft bei alltäglichen Gegenständen – es steckt
viel mehr dahinter, als Normalverbraucher so denken. In das Design
und die Handhabung von Verpackungen wird viel Forschung gesteckt,
und das nicht nur, um die Verbraucher anzulocken. Nein, viele andere
Faktoren spielen eine Rolle. Hält die Verpackung beispielsweise
einem längeren Transport stand? Wird das Produkt von der Verpackung
gut geschützt? Wie teuer ist das Material, das verwendet wird?
Wie halte ich das Gewicht gering? Welchen gesetzlichen Standards muss
sie genügen? Kann sie wiederverwertet werden? Wie gut ist die
Handhabung? Dies sind nur einige Fragen, die sich Verpackungsingenieure
stellen, wenn sie ein neues Produkt möglichst sparsam, sicher
und ansprechend einwickeln sollen. Eine ganze Industrie steckt hinter
diesem Produktzweig, und sowohl durch Gesetzgebung als auch durch
Druck von Konsumenten wird ein Bereich immer wichtiger: Recycling
und Verpackungsvermeidung.
Klar kennt jeder Glasrecycling, und die Deutschen gelten als Meister
im Mülltrennen. Hält man sich strikt an die Vorgaben, so
hat man mindestens 5 Mülleimer: Bio, Glas, Papier, Grüner
Punkt (oder die Gelbe Tonne) und Restmüll.
Recycelt werden kann mittlerweile nahezu alles, doch manchmal ist
die Frage, ob sich das überhaupt lohnt. Manche Stoffe verbrauchen
beim Recycling mehr Energie als in der Herstellung, d.h. der Prozess
bringt nicht viel – im Gegenteil, er kann sogar schädigender
sein, als das Material einfach der Müllverbrennung zuzuführen.
Das sollte Sie nicht vom Recyceln abhalten – denn meist ist
die so genannte Ökobilanz positiv, d.h. der Umwelt wird durch
die Wiederverwendung von Materialien geholfen. Und die Recyclingindustrie
schafft mittlerweile eine Menge Arbeitsplätze.
Das zweite Zauberwort aber ist Verpackungsvermeidung: nach dem Motto “so
wenig wie möglich, so viel wie nötig” soll verhindert
werden, dass Kartons, Plastikumhüllungen und Papierverpackungen
in übertriebenem Maße zum Einsatz kommen. Auch die berüchtigten
Umverpackungen sollen vermieden werden, also das mehrmalige Verpacken
von Produkten in immer kleinere Gebindegrößen.
Ein Beispiel für die Verschwendung von Verpackungsmaterial sind
Boxen in Standardgrößen, die keine Rücksicht auf die
Form und Beschaffenheit des Produkts nehmen. Hier können große
Leerräume übrig bleiben, für eine bestimmte Menge eines
Produkts wird also zusätzlich Verpackungsmaterial benötigt.
Dies ist nur ein Beispiel, bei dem durch individuelle Verpackungen
Material und Kosten gespart werden können. Hersteller bemühen
sich immer mehr, Verpackungen zu reduzieren – nicht nur aus
dem hehren Grund, die Umwelt zu schonen, sondern auch, um Kosten zu
sparen. Je weniger aufwändig die Verpackung, desto geringer die
finanzielle Belastung. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass Verpackungen
damit auch immer weniger wiegen: ein Joghurtbecher wiegt 60 % weniger
als noch vor 30 Jahren, Dosen und Milchflaschen haben 50 bzw. 30 %
ihres Gewichts in den letzten 50 Jahren verloren. Dies ist hauptsächlich
neuen Herstellungstechniken zu verdanken – Aluminium, Blech,
Glas und Plastik können heute dünner produziert werden als
früher. Vor allem das einst geschmähte Plastik hat in der
PET- Pfand-Flasche eine Renaissance erlebt: leicht, robust, günstig
und energiesparend in der Herstellung, “unkaputtbar” und
mit minimalem Aufwand recycelbar, haben die Plastikflaschen aus dem
stabilen PET ihren Schwestern aus Glas einiges voraus.
Sparen an der Quelle der Verpackung, also bei der Herstellung, ist
sicher sinnvoll, um zur Reduktion von Verpackungsmüll beizutragen.
Doch auch der Verbraucher am anderen Ende der Kette kann einiges tun,
um Müll zu vermeiden:
- Bewusst einkaufen: darauf achten, dass die Produkte nicht unnötig
verpackt sind und ein großer Teil der Verpackung aus Recyclingmaterial
besteht (z.B. Joghurtbecher aus dünnem Plastik, die mit einer
abnehmbaren Pappbinde umgeben sind, oder gleich Pappbecher verwenden)
- Getränke nur in wieder verwertbaren Flaschen kaufen. Das
Pfand auf Einwegflaschen und Dosen stellt nämlich nur sicher,
dass diese Materialien dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt
werden – um wieder verwertet zu werden, müssen sie jedoch
erst aufwändig eingeschmolzen und neu verarbeitet werden, während
Glas- und PET-Flaschen nur ausgespült werden.
- Regional einkaufen – je kürzer die Transportwege, desto
geringer die erforderliche Verpackung. Dies gilt vor allem für
Mineralwasser. Kauft man in Norddeutschland z.B. Wasser, das in Süddeutschland
abgefüllt wird, übersteigt der Energieaufwand für den
Transport die Ersparnis durch die Pfandflaschen bei weitem.
- Einkaufstaschen selber mitbringen, und, wo möglich, eigene
Container zum Metzger und Obsthändler mitbringen. Letzteres ist
gerade beim Metzger aus hygienischen Gründen nicht immer möglich,
doch bei vielen Produkten können eigene Behältnisse verwendet
werden.
Ansonsten gilt natürlich immer: Müll trennen und auf keinen
Fall in die Gegend schmeißen – selbst ein Kaugummi braucht
mehrere Jahrzehnte, um zu verrotten, wie lange braucht dann erst Plastik!
(Alle Angaben ohne Gewähr)
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