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Weißwein

WEIßWEIN - REBSORTEN

Die Weinreben von heute sind das Ergebnis eines Jahrtausend alten Ausleseprozesses. Die am besten schmeckenden und für den Weinausbau am meisten geeigneten Wildreben wurden zur Vitis vinifera kultiviert. Frühe Anzeichen für Weinanbau finden sich bereits mehrere Jahrtausende vor Christus, insbesondere in den Hochkulturen des Nahen Ostens, die unter anderem den heutigen Staaten Ägypten, Iran oder Israel entsprechen. Doch auch aus Griechenland und dem heutigen Italien gibt es vorchristliche Anzeichen für den Weinbau. In Kleinasien wurde der Weingott Dionysos verehrt, die Römer erfanden den Weingott Bacchus für ihren Weinkult. Mit der Eroberung germanischer Gebiete durch die Römer, die den Weinbau von den Griechen und Etruskern übernommen hatten, erreichte der Weinbau vor etwa 2000 Jahren auch den deutschsprachigen Raum.

Weißwein wird im Gegensatz zum Rotwein nicht aus der Maische (enthält die ganze Frucht), sondern aus dem Mostsaft vergoren. Die Maische wird direkt in die Traubenpresse geleitet. Unter leichtem Druck wird dort der Mostsaft aus den Trauben gepresst. Weißwein kann auch aus roten Trauben gekeltert werden, da die Schalen ihren Farbstoff nicht so schnell abgeben können, wie die Maische gepresst wird. In Deutschland wird Weißwein allerdings nur aus hellen Trauben gewonnen. Um den Wein vor bakteriellem Befall zu schützen, wird er mit Schwefel versetzt, was den Wein auch gleichzeitig haltbarer macht. Anschließend wird der immer noch trübe Saft in Filtern, oder durch die Entfernung des Bodensatzes, von Schmutz und Trübstoffen befreit. Der so vorbereitete Traubensaft wird nun in Fässer oder Edelstahltanks gefüllt, wo er zu gären beginnen kann.

In Deutschland werden momentan auf etwa 100.000 Hektar 100 Rebsorten Wein angebaut. Große wirtschaftliche Bedeutung haben davon aber nur um die 20 Sorten. Bei den Weißweinen führen momentan der Riesling und der Müller-Thurgau die Liste an.

Wichtigste Rebsorten von Weißweinen:

Die ersten Riesling-Reben wurden angeblich im Rheintal angebaut. Die größten Anbaugebiete sind heute das Rheingau, der Mittelrhein, die Hessische Bergstraße und die Mosel-Saar-Ruwer. Charakterisierend für den Rieslingwein ist seine feine Rasse und Eleganz sowie das unübertreffliche, an Pfirsich erinnernde Bukett. Der „typische“ Riesling zeigt eine blassgelbe, ins grünlich-gelbe tendierende Farbe. Im Duft dominieren Pfirsich oder Apfel und auf der Zunge spürt man eine rassige Säure. Diese Merkmale werden durch späte Reife und späte Lese ausgelöst. Trockene bis halbtrockene Rieslinge passen gut zu asiatischer und leichter Küche, Mehlspeisen, gedünstetem See- und Süßwasserfisch sowie gekochtem Fleisch mit hellen Saucen. Liebliche Spätlesen passen zu Frischkäse.

Der Chardonnay gehört wohl zu den bekanntesten Rebsorten. Seine Herkunft lässt sich bis nach Vorderasien zurückverfolgen. Der Chardonnay gehört der Burgunderfamilie an und wird erst seit 1991 in Deutschland angebaut. Die Anbaugebiete in Deutschland sind Baden, die Pfalz und Rheinhessen. Die meisten Chardonnay-Weine werden trocken ausgebaut. Die Rebe ergibt kräftige und säurebetonte Weine. Hochwertige Weine werden oft auch als Barrique (im Holzfass) angebaut. Die typischen Aromen von Chardonnay-Weinen sind Apfel, Melone und Stachelbeere. Der Wein passt zu Terrinen, Fisch, Muscheln, hellen Braten und Käse.

Beim Grauburgunder handelt es sich um eine Mutation des Blauen Spätburgunders. Früher wurde die Traube auch süß als „Ruländer“ angebaut. Die Traube ist dichtbeerig und liebt warme Löß-Lehmböden. Hauptsächlich wird der Grauburgunder in der wohl wärmsten Region Deutschlands, dem Kaiserstuhl, angebaut. Grauburgunder werden heute meist nur noch trocken angebaut und besitzen eine angenehme Säure. Die Weine können bei früher Lese leicht und spritzig, bei großer Reife schwer und ölig mit sortentypischem Holzton oder Edelsüße sein. Wenn in trockenen Jahren die Säure gering ist, können die Weine auch etwas plump wirken. Grauburgunder Kabinett passt zu Fisch, Spargel und Geflügel und eignet sich gut als Sommerwein. Spätlesen passen zu Braten, Steaks, Enten- und Gänseleber, Wild und reifem Weichkäse.

Bacchus entstand in den 30er Jahren durch eine Kreuzung von Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau. Zu finden ist Bacchus in Franken, der Pfalz und Rheinhessen. Die Bacchus-Rebe bevorzugt tiefgründige, nährstoffreiche Böden. Dann fühlt sie sich auch in Lagen wohl, wo beispielsweise der Silvaner nicht immer vollständig ausreifen würde. Bacchus-Weine sind fruchtig, mit einem ausgeprägten blumigen Bukett und dezentem Muskatton. Je später die Lese, desto höher ist die Qualität der Bacchus-Weine. So bringt die Sorte sehr schöne, rieslingähnliche Spätlesen hervor. Der Wein passt sehr gut zu allen deftigen und würzigen Speisen.

Der weiße Burgunder ist eine Mutation aus der Burgunderfamilie. Aus der Urform, dem Blauen Burgunder, mutierte zunächst der Grauburgunder. Der Weiße Burgunder ist schließlich eine weitere Mutation. Der meiste Weißburgunder wird in Baden, Pfalz und Rheinhessen angebaut. Weißburgunder besitzen eine angenehm erfrischende Säure und ein dezentes Aroma, das an Apfel, Birne, Mango, Aprikose oder Ananas erinnert. Spritzige Weißburgunder eignen sich gut als Sommerweine zu leichtem Essen, wie z.B. Spargel. Kräftigere Weißburgunder eigenen sich auch zu Fisch (Lachs, Karpfen), Schweinefleisch oder zu Nudelgerichten. Ebenso passen sie zu Geflügel und Meeresfrüchten.

Die Müller-Thurgau-Traube wurde 1882 vom Schweizer Dr. Hermann Müller gezüchtet und ist eine Kreuzung aus Riesling und Gutedel. 1913 kam die Rebsorte nach Deutschland und wurde in den 50er Jahren in der ganzen Welt verbreitet. Die Hauptanbaugebiete des Müller-Thurgau sind heute Franken, Rheinhessen und die Pfalz. Die Rebsorte reift früh und liefert süffige, manchmal blumige und mit einem feinfruchtigen Muskataroma versehene Weine. Die Säure fällt eher mild, bei Weinen nördlicher Herkunft mitunter auch etwas betonter aus. Der Ausbau erfolgt meist in Edelstahltanks, mit denen die Frische und der Sortenduft erhalten werden kann. Meist handelt es sich um trockene oder restsüße Qualitätsweine. Abgesehen von Prädikatsweinen aus dieser Sorte, sollte der Müller-Thurgau vorzugsweise als Jungwein getrunken werden. Müller-Thurgau-Weine sind meist unkomplizierte Alltagsweine und sie eignen sich zu zart-aromatischen Speisen.

Der Silvaner ist wahrscheinlich aus Wildreben an der Donau ausgelesen worden. Heutige Anbaugebiete sind Rheinhessen, Franken und die Pfalz. Bis Ende der 60er Jahre war der Silvaner die wichtigste Rebsorte in Deutschland. Seitdem ist der Anbau stark zurückgegangen. In jüngster Zeit erlebt er in Rheinhessen und Franken aber wieder eine stärkere Nachfrage. Der Silvaner ist ein neutraler, feinfruchtiger Wein, mit zartem Bukett und meist milder Säure. An Aromen sind Basilikum, Garn, Farn und Holunder herauszuschmecken. Die herzhaften Silvaner-Varianten passen sehr gut zu kräftiger, regionaler Küche. Silvaner aus Franken passen wunderbar zu Fisch und die Rheinhessen und Pfälzer Silvaner harmonieren besonders gut mit Spargel, Huhn, Kalbs- und Schweinebraten.

Die Scheurebe ist eine Kreuzung zwischen Riesling und Silvaner. Das bedeutendste Anbaugebiet für die Scheurebe ist Rheinhessen. Kleinere Flächen finden sich in der Pfalz, an der Nahe und in Franken. Die Scheurebe belegt ca. 3% der deutschen Rebfläche. Sie ist eine wertvolle Qualitätssorte, die nur für beste Lagen zu empfehlen und zur Erzeugung von Prädikatsweinen geeignet ist. Die Weine von Körper und Rasse zeigen sortenfeines, leicht nach Johannisbeeren duftendes Bukett und rieslingähnliche Säure. Leichte Kabinettweine eignen sich als abendliche Trinkweine, trockene bis halbtrockene Spätlesen passen zu kräftigen Fleischspeisen, Geflügel und besonders gut zu asiatisch gewürzten Gerichten.

(Alle Angaben ohne Gewähr)


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