GESCHICHTE DES KINOS
Vorgeschichte: Im 17. Jahrhundert setzte ein Missionar in China zur
Untermalung seiner Vorträge projizierte Bilder ein. Bis Mitte des
19. Jahrhunderts kam bei Veranstaltungen zur Untermalung von Erzählungen
sehr häufig die Laterna Magica zum Einsatz.
Die technischen Voraussetzungen für eine mechanische Bildabfolge
schuf der britisch-amerikanische Fotograf Eadweard Muybridge.
1872 entwickelte er die Serienfotografie und kurz darauf den
Vorläufer des Filmprojektors, das so genannte Zoopraxiskop.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdrängt
der Vorläufer des Kinos zunehmend die traditionellen Unterhaltungskünste
wie Varietekünste und Gaukleraufführungen. Die den
späteren Dokumentarfilmen ähnelnden Lichtbildvorträge
werden in großen Teilen der Welt zu einem wichtigen Bestandteil
der Unterhaltung.
In den Jahren 1896 bis 1912 entwickelt sich das Kino zu einem
eigenständigen Kunstgenre. Nach der Aufführung der
ersten bewegten Bilder 1895 verbessern Filmpioniere die Technik.
Groß- und Nahaufnahmen sowie Kamerafahrten werden möglich,
erste Spezialeffekte überraschen das Publikum. Die ersten
Studios in Hollywood werden gegründet.
Die Jahre 1913 bis 1927 bezeichnen die Stummfilmzeit. Die tonlosen
Filme wurden von Musik und so genannten Filmerklärern begleitet.
In Deutschland entstehen Klassiker wie Fritz Langs „Metropolis” oder
Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu - Eine Symphonie
des Grauens”. Mit Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold
Lloyd kommen die ersten melancholischen Komiker auf die Leinwand.
Douglas Fairbanks und Rudolph Valentino erobern die Herzen der
Zuschauerinnen. 1927 kommt der erste Tonfilm „Der Jazzsänger” heraus.
In der ”goldenen Ära” Hollywoods, 1932 bis 1946,
wird das Kino auch wirtschaftlich erfolgreich. In „Der
blaue Engel” (1930) beginnt Marlene Dietrichs Weltkarriere.
Die göttliche Greta Garbo erlebt ihren Durchbruch. 1933
wird der deutsche Film vom NS-Regime „gleichgeschaltet”.
Das monumentale Kriegsmelodram „Vom Winde verweht“ wird
mit acht Oscars ausgezeichnet und gilt lange als bester Film
aller Zeiten.
1940 -1949: Hollywood erlebt während des Zweiten Weltkriegs
eine künstlerische Blütezeit. Die Kommunistenjagd
des US-Senators J.R. McCarthy sorgt jedoch nach 1947 für
Unruhe unter den Künstlern. In Frankreich rührt Marcel
Carnes Meisterwerk „Kinder des Olymp” zu Tränen.
Vittorio De Sica prägt mit Filmen wie „Fahrraddiebe” (1948)
den Stil des italienischen Neorealismus.
In den fünfziger Jahren macht eine kurze Nacktszene mit
Hildegard Knef das Werk „Die Sünderin” 1951
zum deutschen Skandalfilm der Nachkriegszeit. Frederico Fellini
dreht seine poetische Geschichte „La Strada” (1954).
Zwei von Billy Wilders besten Filmen entstehen: „Zeugin
der Anklage” mit Marlene Dietrich und „Manche mögens
heiß” mit Marilyn Monroe.
Neue technische Mittel zur Bild- und Tonaufzeichnung kennzeichnen
den Beginn der Nouvelle Vague (Neue Welle) in Frankreich in
den Sechziger Jahren. Zu ihren bekanntesten Vertretern gehören
F. Truffaut, Claude Chabrol, Louis Malle und Jean Luc Godard.
In Westdeutschland drehen Volker Schlöndorff, Alexander
Kluge und R.W. Fassbinder. Der erste James-Bond-Film mit Sean
Connery, „007 jagt Dr. No”, prägt ein ganzes
Genre. Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte,
die Bombe zu lieben” thematisiert die atomare Bedrohung.
Kubricks Science Fiction-Film „2001 - Odyssee im Weltraum” setzt
1968 neue Maßstäbe, während Dennis Hopper mit „Easy
Rider” 1969 den Kultfilm der rebellischen Jugend liefert.
Clint Eastwood startet als „Dirty Harry” zu Beginn
der Siebziger eine erfolgreiche Serie von Action-Spielfilmen.
Francis Ford Coppolas „Der Pate” bricht alle Kassenrekorde.
Bernardo Bertoluccis „Der letzte Tango in Paris”,
Marco Ferreris „Das große Fressen” und Nagisa
Oshimas „Im Reich der Sinne” brechen Tabus und werden
die Skandalfilme des Jahrzehnts. Autorenfilmer wie Rainer Werner
Fassbinder, Wim Wenders und Alexander Kluge beschreiten neue
Wege im deutschen Film.
Die neue Welle geht in den Achtziger Jahren in eine neue Form über,
die Postmoderne. Herstellung und Distribution von Kinofilmen
werden durch Unterhaltungstechnik wie Video, Computerspiele
etc. ergänzt. Der Film verbindet zunehmend die Elemente
der modernen Unterhaltungselektronik.
Die ersten Multiplex-Kinos eröffnen 1991 und bewirken einen
Strukturwandel in der Filmtheaterlandschaft. Mit der Komödie „Der
bewegte Mann” löst Sönke Wortmann 1994 einen
neuen deutschen Filmboom aus. Steven Spielbergs „Jurassic
Park” (1993) wird 1998 von James Camerons „Titanic” als
kommerziell erfolgreichster Film des Jahrhunderts abgelöst.
Mit ”Herr der Ringe” und 3-D Animationsfilmen wie ”Monster
AG” zeigt der Zeitgeist am Anfang des neuen Jahrtausend
wieder den Hunger nach Märchen.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
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