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Medien

MEDIENNUTZUNG

Eine der wichtigsten Theorien in der Medienforschung stellt der Uses-and-Gratifications-Approach dar. Der Uses-and-Gratifications-Ansatz stellt den Mediennutzer in den Mittelpunkt und spricht ihm zu, die Medien aktiv und funktional zu gebrauchen. Er bedient sich der Medien, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und zieht somit einen Nutzen aus seinem Medienkonsum. Die Medienforscher Katz und Foulkes ergründeten schon 1962 diese neue Sichtweise der Mediennutzung, die in den 40er Jahren entstanden war. Erstmalig wurde dem Mediennutzer mehr Macht zugesprochen als den Medien. Man fragte nicht mehr „was machen die Medien mit den Menschen“, sondern „was machen die Menschen mit den Medien“, und welche Bedürfnisse haben Menschen, um Medien zu nutzen. Die Überschätzung der Wirkung von Medien war vorher weit verbreitet, nicht zuletzt die Radiosendung „Krieg der Welten“ von Orson Welles. Die Inszenierung überzeugte 1938 mehrere Hunderttausende Bewohner New Yorks davon, es gäbe eine Invasion von Außerirdischen und man müsste nun aus der Stadt flüchten, um sich in Sicherheit zu bringen. Zu diesem Phänomen kamen noch die Ergebnisse der Propagandaforschung des Zweiten Weltkrieges, die den Massenmedien eine fast omnipotente Wirkung zuteilten.

Völlig neu war nun also der Uses-and-Gratifications-Ansatz, der den Mediennutzer nicht mehr als „Opfer von Medieneinflüssen“ betrachtete, sondern ihm die aktive Rolle und damit eine Machtposition zuteilte. 1974 gaben Blumler und Katz einen Band mit dem Titel „The Uses of Mass Communikation“ heraus, in dem sie diese Theorie erstmals ausführlich begründeten.

  • Mediennutzung dient der Bedürfnisbefriedigung der Rezipienten.
  • Das Publikum ist aktiv und handelt zielgerichtet.
  • Medien stehen untereinander und mit anderen Aktivitäten der Bedürfnisbefriedigung im Wettkampf, um Zeit und Aufmerksamkeit der Rezipienten zu gewinnen.
  • Die gleichen Medien können von verschiedenen Rezipienten zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden.

Man geht also bei dieser Theorie davon aus, dass das Publikum aus sozialen und psychologischen Gründen Bedürfnisse hat, die es gerne befriedigen möchte. Hierfür stehen ihm verschiedene mediale und nicht-mediale Quellen zur Verfügung, die nun aufgrund unterschiedlicher Motivationen verschiedenartig genutzt werden. Dieselbe Fernsehsendung kann also von mehreren Personen aus völlig unterschiedlichen Gründen gesehen werden. Dennoch gehen alle diese Personen Bedürfnissen, wie bspw. Entspannung, Unterhaltung usw. nach, die sie mit dieser Sendung befriedigen wollen.

Stark kritisiert wurde an dieser Theorie von verschiedenen Kommunikationswissenschaftlern, dass dem Rezipienten das Bewusstsein für seine Mediennutzung zugesprochen wurde, d.h., man ging davon aus, das Publikum würde seine Mediennutzung reflektieren. Der amerikanische Kommunikationswissenschaftler Dolf Zillmann behauptet beispielsweise, der Rezipient wisse keineswegs, warum er Medien nutze, sondern handle eher aus Gründen wie Gewohnheit, Erziehung, Zufall etc. Als Grund für die falsche Annahme von Katz und Blumler gab Zillman an, dass bei empirischen Untersuchungen von den Probanden falsche Angaben gemacht worden seien. Die befragten Personen hatten angegeben, sich Horrorfilme wegen der Spezialeffekte anzusehen und Sexfilme aus Informationsgründen. Zillman erklärt sich diese Antworten so, dass die Befragten wahrscheinlich nur das aufzählen, was ihnen früher einmal als Begründung auf derartige Fragen beigebracht worden sei, aber nicht, weil sie wirklich ihren Medienkonsum reflektieren. Deshalb muss man differenzieren und darf den aktiven Rezipienten nicht als eigenverantwortlichen, frei entscheidenden Mediennutzer sehen. Verantwortlich für die Wahl bestimmter Medien ist ein Nutzen für das Publikum jenseits seiner eigenen Wahrnehmung und Definition. Medien werden ausgewählt aus Gründen wie physischem und psychischem Wohlbefinden, Umweltanpassung und gesellschaftlicher Notwendigkeit, die durch strukturelle Lebensumstände vorgegeben sind. Dieses Verhalten geschieht oft unbewusst und wird nicht immer genau durchdacht und reflektiert betrachtet. Vorderer unterteilt deshalb die Mediennutzung in zwei Termini. Einmal sei der Umgang mit Medien als „Handlung“ zu verstehen, die bewusst und zielgerichtet vollzogen wird. Mit „Verhalten“ hingegen könne jede „Regung eines Organismus“ bezeichnet werden.

Fast zeitgleich mit dem Uses-and-Gratifications-Approach wurde die These des Eskapismus als zentral betrachtet. Diese besagt, dass Menschen für eine bestimmte Zeit ihrer Realität entfliehen (engl.: escape) wollen und sich zu diesem Zweck der Medien bedienen. So ist es für kurze Zeit möglich, den eigenen Nöten und Sorgen zu entkommen und sich in der Fiktion der Medienwelt zu bewegen. Begründet wurde diese These jedoch immer wieder verschiedenartig. Wurden in den 40er und 50er Jahren noch die schlechten Lebensumstände großer Bevölkerungsgruppen für diese Art der Flucht verantwortlich gemacht, bewies ähnliches Verhalten in wirtschaftlichen Hochzeiten, dass der Mensch dazu neige, in Traumwelten abzutauchen, um abschalten zu können. Per Knopfdruck habe man die Möglichkeit, sich von einem Ort zum anderen zu bewegen, von einer Situation in die nächste, ohne dabei irgendwelche Unannehmlichkeiten erdulden zu müssen. Den Unannehmlichkeiten und der Wirklichkeit des tristen und stressigen Alltags auf schnelle und günstige Weise für einen bestimmten Zeitraum zu entkommen, um in eine schönere und aufregendere Welt abzutauchen. Katz und Foulkes sprechen deshalb auch von einer narkotisierenden Wirkung, die es dem Zuschauer ermöglicht, seinen Alltag besser bewältigen zu können.

(Alle Angaben ohne Gewähr)


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