ÜBER DEN RICHTIGEN UMGANG MIT BESTECK
Nur zwischen Messer, Gabel und Löffel zu unterscheiden, reicht
heute für eine große Tafel nicht mehr aus. Für jeden
erdenklichen Zweck gibt es ein eigenes Besteck. Nachfolgend sind die
wichtigsten Arten von Bestecken aufgezählt.
- Das Tafelbesteck, bestehend aus einem großen Löffel,
großer Gabel und großem Messer, stammt noch aus älteren
Zeiten.
- Das Menübesteck besteht aus den gleichen Teilen wie
das Tafelbesteck. Es ist jedoch etwas kleiner und handlicher
und wird diesem daher heute vorgezogen.
- Das Dessertbesteck besteht ebenfalls aus den gleichen drei
Teilen, ist aber noch etwas kleiner.
- Das Fischbesteck ist zweckgebunden und daher in der Form
abweichend. Die tiefer eingeschnittenen Zinken in der Mitte
der Gabel erleichtern das Entfernen von Gräten. Das Messer
ist stumpf, weil Fisch zerteilt und nicht geschnitten wird.
- Mit Tranchier- und Vorlegebestecken können in möglichst
kurzer Zeit zügig viele Gäste bedient werden. In Sets
gibt es viele dieser Bestecke, von Suppen- und Saucenschöpfer über
Ragout- und Kartoffellöffel bis zur Spaghettizange, auch
in unterschiedlichen Größen.
- Das Lachsmesser oder Tranchelard ist so lang und dünn,
dass man damit mühelos einen Tortenboden in Scheiben schneiden
oder einen Lachs in Tranchen zerlegen kann.
- Das Käsemesser ist breit und scharf und oft mit zwei
gebogenen Zinken an der Spitze versehen. Mit ihm kann man den
Käse erst schneiden und dann das abgeschnittene Stück
aufspießen, um es auf den Teller zu legen.
- Mit dem Kuchen- und Eisheber lassen sich Eis und Kuchen schneiden
und in einzelne Stücke auf die Teller "transportieren".
(Alle Angaben ohne Gewähr)
ÜBER DEN RICHTIGEN UMGANG MIT BESTECK
-
Das Messer wird immer in der rechten Hand gehalten. Diese
Regel gilt auch für Linkshänder, denn ein Links- und ein
Rechtshänder, nebeneinander platziert, würden beim Essen
mit den Ellenbogen zusammenstoßen und sich gegenseitig behindern.
Natürlich wird das Messer nicht abgeleckt.
- Die Gabel sollte so geführt werden, dass sie eine
waagerechte Linie einhält, mit einer leichten Neigung
nach unten.
- Der Löffel wird auch waagerecht zum Mund geführt.
Dabei sollte man ihn nicht randvoll füllen, damit die
Suppe nicht in den Teller zurückschwappt. Schlürfen
verbietet sich von selbst. Gabel oder Löffel werden immer
zum Mund geführt und niemals umgekehrt!
- Das Besteck wird nicht rechts und links auf dem Tellerrand
aufgelegt, sondern ordentlich auf dem Teller platziert. Dabei
sollte das Besteck nicht in die Speisen stechen, sondern sich
an den Spitzen kreuzen. Die Messerspitze ist dabei in die
Gabelmulde zu legen. Gelegentlich gibt es auch ein eigenes
Messerbänkchen zur Ablage.
- Darüber hinaus gibt es noch eine Bestecksprache. Danach
bedeutet ein mit den Spitzen gekreuztes Besteck, dass der
Gast noch nicht fertig ist oder gerne noch einen Nachschlag
hätte. Liegen Messer und Gabel parallel nebeneinander
(die Schneide des Messers zur Gabel), so bedeutet dies, dass
das Essen beendet ist.
- Das Messer liegt immer rechts vom Teller, mit der Schneide
nach innen. Die Gabel liegt links vom Teller. Löffel
liegen oberhalb des Tellers, mit der Spitze nach links.
- Gibt es mehrere Bestecke für die verschiednen Gänge,
wird das Besteck nach und nach von außen zum Teller
hin aufgenommen.
EINE KURZE GESCHICHTE DES BESTECKS
Homer lässt die Freier der Penelope noch die Hände "zum
lecker bereiteten Mahle" erheben. Als erstes Besteck kommen Löffel
im antiken Rom vor. Man nahm mit den Händen und liegend die Nahrung
zu sich, vorgefertigt von den Köchen, die es für diese Essweise
gerecht zubereitet hatten. Nur für flüssige Speisen, wie Suppe
oder Brei, wird ein Löffel verwendet.
Viele Jahrhunderte lang hat sich an diesem Stil, die Nahrung
zu sich zu nehmen, nicht viel geändert. Für die frühe
Neuzeit (1500-1800) ist es noch üblich, dass man ein Messer
selbst mitführt. Gegessen wird meist mit den Händen.
Das Messer wird nur als Spieß verwendet. Die Hände
werden an Brot oder an der Tischdecke gesäubert. Die Gabel
gibt es am Speisetisch noch nicht. Sie dient lediglich dem Koch
zum Zerschneiden des Fleisches und hat zwei gerade Zinken. Der
Siegeszug des Bestecks findet erst im 18. Jahrhundert statt,
als auch die Repräsentation bei Tisch immer wichtiger wird
und Gemüse immer häufiger auf dem Speiseplan steht.
Im Zuge dieser Veränderung bekommt auch das Besteck seine
heutige Form. Dennoch, die Gabel war noch ein eher seltenes
Gerät. Bei den Messern spielte auch deren stärkerer
Verschleiß eine Rolle. Der einheitliche Satz Messer, Gabel
und Löffel setzte sich erst allmählich durch.
In der Zeit der Industrialisierung wird Besteck auch für
den kleinen Mann erschwinglich und damit weit verbreitet. Für
die Oberschicht werden immer kunstvollere Besteck-Services produziert,
mit immer kostbareren Materialien.
An dem normalen Besteck-Set mit Messer, Gabel und Löffel ändert
sich nun nur noch Größe und Design. Im Laufe der
Zeit wird aber noch eine Reihe von Bestecken für spezielle
Zwecke entwickelt. So gibt es heute selbst für eine bekante
Nuss-Nougat-Creme ein eigenes Streichmesser.
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