GESCHICHTE DES BONSAI
Die heute bekannten Bonsai sind häufig im japanischen Stil gestaltet,
der sich Anfang des 20. Jahrhunderts herausbildete. Doch die Bonsaikunst
ist viel älter und stammt aus China.
In der frühen Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) wurden
bereits künstliche Landschaften mit Seen, Inseln und bizarren
Felsformationen in Palastgärten der Kaiser nachgestaltet, auch
die Topfpflanzen-Kultur war bereits bekannt. Der Mythologie nach lebte
in dieser Zeit der Zauberer Jiang-Feng, der die Fähigkeit besaß,
ganze Landschaften mit Felsen, Wasser, Bäumen, Tieren und Menschen
verkleinert auf ein Tablett zaubern zu können. In dieser Zeit
entstand offenbar die Kunst des Penjing - auch wenn einige der Bäume
zwei und mehr Meter hoch waren und in großen Schalen im Garten
gepflegt wurden.
In der Tang-Dynastie (618 bis 907 n. Chr.) findet sich die älteste
bekannte Darstellung eines Penjing, einer Miniaturlandschaft mit grazilen
Bäumchen und Felsen, in den Grabkammern des Prinzen Zhang Huai.
Diese Epoche galt als sehr kunstsinnig, Poeten und Maler wandten
sich insbesondere der Natur zu.
Die Song-Dynastie (960 bis 1279) brachte die Penjing-Kultur
zu einer ersten Blüte. Als besonders beliebt galten nun knorrige
Bäume, vor allem Kiefern, die aus Baumwurzeln gezogen wurden.
Parallel dazu bildete sich die Kunst des Suiseki heraus, das ohne
Bäume auskommt und schön geformte Steine auf wassergefüllten
Tabletts platziert. So werden Eindrücke von Küstenlinien
oder dramatischen Felslandschaften im Hochgebirge evoziert.
In der Yuan-Dynastie (1280 bis 1368) war Miniatur-Penjing
besonders beliebt. Der Grundsatz, „im Kleinen zugleich das Große“ zu
erblicken (He-Nian, ein Dichter, verfasste eine Reihe Gedichte über
die „winzigen“ Penjing des Mönches Yun Shangren,
daraus das Zitat), wurde in den darauf folgenden Jahrhunderten
zu einer wichtigen Leitformel.
Seit Ende der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) werden Einzelbäume
und Schalenlandschaften vermutlich erstmals als penjing bezeichnet.
In dieser Zeit wurde eine Reihe von Büchern verfasst. Die damals
sehr populäre chinesische Landschaftsmalerei gab der Penjing-Kunst
neue Impulse. Man bezeichnete sie als „dreidimensionale Gemälde“, „stumme
Gedichte“ oder „lebende Skulpturen“. Meist waren
Bonsai etwa einen halben Meter groß, so dass sie noch auf
einem Teetischchen platziert werden konnten - dann galten sie als
besonders kostbar.
In der Qing-Dynastie (1644 bis 1911) drangen Bonsai allmählich
in die vornehmen Familien des Landes vor, die nicht selten einen eigenen
Penjing-Gärtner anstellten. In Suzhou fand alljährlich ein
Wettbewerb um die schönsten Bäume des Landes statt. Dabei
zeigte sich, dass die unterschiedlichen Regionen verschiedene
Stilrichtungen entwickelt hatten:
Lignan-Stil (Gouangzhou)
Shanghai-Schule
Suzhou-Schule
Yangzhou-Schule
Sichuan-Schule
Im 10./11. Jahrhundert brachten buddhistische Mönche die Bonsaikunst
nach Japan. Dort entwickelte sich der Bonsai-Stil lange Zeit
parallel zu China. Besonders in der Kaiserstadt Kyoto und
in Osaka waren Bonsai bei Gelehrten sehr beliebt. Sie galten als antinational und
avantgardistisch.
1878 stellte Japan auf der Weltausstellung in Paris erstmals
Bonsai einer westlichen Öffentlichkeit vor. Nach dem Zweiten
Weltkrieg verbreitete sich Bonsai als Hobby in der ganzen
Welt.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
BONSAI
Ein Bonsai ist ein in einem Pflanzgefäß gezogener Baum, der
durch Kulturmaßnahmen (Schnitt, Wurzelschnitt, Drahtung) und künstlerische
Gestaltung klein gehalten wird. Die angestrebte Harmonie folgt den Prinzipien
des Wabi und Sabi der Zen-Kultur. In Japan werden Bonsai in der Tokonoma,
dem Hausschrein, aufgestellt. Wertvolle Bonsai-Bäumchen können
bei guter Pflege viele hundert Jahre alt werden.
Für Bonsai eigenen sich alle verholzenden, kleinblättrigen
Baum- und Straucharten. Traditionell werden Kiefern, Wacholder, Ahorn,
asiatische Ulmenarten, Azaleen, Fruchtbäume wie Apfel oder japanische
Aprikose verwendet. In unseren Breiten haben sich besonders Indoor-Arten
wie Ficus, Serissa, Fukientee und die chinesische Ulme (oft irrtümlich
als „Zelkowe“ ausgewiesen) durchgesetzt, die auch im Zimmer
gehalten werden können.
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