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Teppich

TEPPICHPFLEGE

Wenn Sie einen echten Orientteppich besitzen, sollten Sie bedenken, dass Sie etwas gekauft haben, was viele Jahre halten kann. Sie sollten nicht unbedingt mit Schuhen darauf herumtreten oder schwere Möbel darauf abstellen. Die Hauptfeinde von handgeknüpften Teppichen sind Schmutz und Feuchtigkeit. Orientteppiche werden heute mit Naturfarben, also Farbstoffen pflanzlicher oder tierischer Art, aber auch mit synthetischen Farben gefärbt. Gute Farbstoffe, pflanzlich oder chemisch, sind nicht billig, erfüllen aber andererseits alle an sie gestellten Anforderungen. Bei billigster Konsumware können weder an das Wollmaterial noch an die Färbung große Ansprüche gestellt werden. Oftmals werden Orientteppiche nicht so alt, wie sie eigentlich werden könnten. Nicht aber, weil diese übermäßig strapaziert, sondern weil sie buchstäblich kaputt gepflegt werden. So genannte erprobte Rezepte wirken oft erstaunlich gut, die Nachwirkungen können allerdings umso betrüblicher sein.

Neue Teppiche sollten anfangs nur vorsichtig und nicht zu oft gesaugt werden, damit sich die Oberfläche verdichten kann. Jede Verunreinigung durch Flüssigkeit kann mit Wasser und sofortigem Aufsaugen mit Löschpapier oder anderen saugfähigen Materialien entfernt werden. Durch starkes Reiben können sie das Gewebe beschädigen. Auf fettlösende Mittel und alkalische Fleckenwasser sollten sie vollkommen absehen, da diese den natürlichen Fett-Schutzfilm angreifen. Fettverlust führt zu Glanzlosigkeit und der Teppich wird zunehmend schmutzempfindlicher, filzig und spröde.

Obwohl heute mehr und mehr Masse chemische Farben verwendet werden, können Sonnen- und Tageslicht Teppiche im Verlauf der Zeit mehr oder weniger stark verändern. Der Teppich verliert deshalb aber nicht an Wert.

Sie sollten auf keinen Fall versuchen, einen handgeknüpften Teppich selbst zu reparieren, sondern immer einen Fachmann zu Rate ziehen. Je früher Sie Abnützungen und Beschädigungen reparieren lassen, desto einfacher und preiswerter ist die Reparatur. Wenn der Teppich einmal beschädigt ist, kann er mit erstaunlicher Geschwindigkeit auseinander fallen.

Eine Filzunterlage schützt die Rückseite des Teppichs und verhindert ein ständiges Rutschen auf dem Boden. Sie kann das Leben der meist kostbaren Stücke um einige Jahre verlängern. Regelmäßig begangene Teppiche werden mit Vorteil alle 4 bis 6 Monate gedreht, so wird der Flor gleichmäßig beansprucht

(Alle Angaben ohne Gewähr)


ORIENTTEPPICHE – SCHÄTZE AUS DEM MORGENLAND

Im Orient gehört das Teppichknüpfen zu einer Jahrtausend alten Kunst, die sich bis in die heutige Zeit kaum verändert hat. Der inzwischen berühmt gewordene Teppich aus Pazyrik im russischen Altai-Gebirge gilt als der älteste historische Beweis orientalischer Knüpfkunst, genaue Angaben über die Entstehungsgeschichte des Teppichhandwerks gibt es allerdings nicht. Ab dem frühen 16. Jahrhundert wird die Entwicklung der Teppichkunst nachvollziehbar. In der Türkei und Persien wurden derzeit viele Teppiche hergestellt, von denen ein großer Teil in alle Richtungen der damals bekannten Welt verschickt wurde, nach Ägypten, Nordafrika, Spanien, und natürlich nach Venedig und von dort nach ganz Europa und England. Im Osten blühte dieses Handwerk auch in Indien, Turkestan und China. Diese Blütezeit dauerte bis Ende des 17. Jahrhunderts an, bevor ein allgemeiner Niedergang der Teppichkunst begann.

Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann das Handwerk von neuem aufzublühen, diesmal nicht unter dem Einfluss höfischer Auftraggeber, sondern für Handelszwecke. Heute kann man von einer Textilkunst hoher Qualität sprechen, doch handelt es sich hierbei um Einzelstücke, die von Kunstliebhabern gesammelt werden und die nicht gleichzeitig die große funktionelle Bedeutung haben, die früher mit der Teppichkunst verbunden war.

Echte Orientteppiche sind immer von Hand geknüpft und auch als solche gekennzeichnet. Bevor mit dem Knüpfen begonnen werden kann, müssen allerdings mehrere Arbeitsschritte durchgeführt werden. Zum Knüpfen werden Wolle, Ziegenhaar und Seide für den Flor (oberstes Gewebe) und Baumwolle oder auch Wolle für das Untergewebe verwendet. Diese Rohmaterialien müssen aussortiert, gereinigt und zu Garn versponnen werden, bevor mit dem Färben begonnen werden kann. Heute können diese Materialien schon fertig gesponnen und gefärbt gekauft werden. Die günstigeren, meist im Handel befindlichen Teppiche werden größtenteils aus Maschinen gesponnenem Garn gefertigt.

Die Arbeitschritte erfordern allesamt großes Geschick, doch die Kunst beginnt mit dem Knüpfen der Teppiche. Teppichknüpfer arbeiteten früher nicht als freie Künstler, sondern fertigten ihre Waren nach Entwürfen, die von höfischen Künstlern bis ins kleinste Details aufgezeichnet worden waren. In ländlicheren Gegenden und besonders bei den Nomadenvölkern gab es andere Methoden, um den Teppichknüpfern oder Teppichwebern die Ornamente vorzuzeichnen; die Muster, Familiensymbole und religiösen Zeichen wurden in den Sand gemalt, die Farbfolge wurde vorgelesen oder sogar ausgerufen.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren alle Farbstoffe natürlichen Ursprungs, und die Geheimnisse des Färberhandwerks wurden von den Färbermeistern streng gehütet. Rezepte und Handfertigkeiten vererbte man innerhalb der Familientradition und gab sie vom Vater an den Sohn weiter. Nach der Erfindung künstlicher Farbstoffe hat man sich besonders in Persien sogar geweigert, solche zu verwenden, und erst zu Beginn dieses Jahrhunderts kamen sie allmählich, auch bei der manuellen Herstellung, in Gebrauch.


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