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Kleider

DER WANDEL DER MODE

Ende der 50er Jahre war ein starker Wandel in der Welt der Mode zu erkennen. Bisher war Mode für Damen und Herren sehr konservativ und züchtig gewesen. Junge Menschen bezeichneten die bisherige Mode als bieder, spießig und viel zu alt. Mary Quant, die Erfinderin des Minirocks, war der Meinung, junge Frauen sähen in der herkömmlichen Mode aus wie ihre eigenen Großmütter. Quant wollte, dass alle Menschen ihre kindliche Anmut behielten, anstatt hässlich und steif zu werden, wie die meisten Erwachsenen es in ihren Augen zu sein schienen.

In diesem Sinne waren auch die Entwürfe der neuen Mode gekennzeichnet. Designer wie Mary Quant, Barbara Hulanicki, André Courrèges und Pierre Cardin kreierten neue und flippige Mode, die das Bild der Jugend vollkommen neu formte. Mary Quants junge Mode war vor allem für Leute gedacht, die sich teure Designerkleider nicht leisten konnten. Die neue Mode konnte sich in der westlichen Welt schnell durchsetzen, denn das gesellschaftliche Leitbild war die kindliche Jugend. Und diese galt bald auch als modisches Leitbild.

Das kurze Hängekleid war das bezeichnendste Kleidungsstück dieser Zeit. Es war gerade und einfach geschnitten, bunt und oft mit geometrischen Mustern bedruckt. Das Kleid, das meist aus Synthetikstoffen gefertigt war, leugnete weibliche Rundungen, zeigte viel Bein und ließ die Frauen wie ihre Töchter aussehen.

Entworfen wurden die Kleider ursprünglich für sehr junge und dünne Frauen, deren kindliches Erscheinungsbild noch durch die Aufmachung des Gesichts verstärkt wurde, in dem die großen, schwarz umrandeten Augen dominierten. Aber schon bald trugen alle – wahrscheinlich wegen Mangel an modischen Alternativen - diese neue Form.

Twiggy galt als modisches Idol dieser Zeit. Das schon fast dürre Mädchen verkörperte den kindlichen Look der 60er Jahre auf den Laufstegen. Twiggys Typ und ihr Kleidungsstil beeinflusste bald die gesamte Modewelt. Als man sie entdeckte, war sie noch ein Teenager, aber schon kurze Zeit später wurde sie von Kritikern zur teuersten Bohnenstange der Welt erklärt. 1966 wurde sie zum „Gesicht des Jahres“ gekürt. Andere Vorbilder aus der Welt der Stars und Sternchen waren Audrey Hepburn und Jackie Kennedy.

Mitte der 70er Jahre breiteten sich die Hippies in den USA und Europa aus. Bezeichnend waren ihre langen Haare, Bärte und bunten Gewänder, die ihren Ursprung in ganz verschiedenen Kulturkreisen hatten. Sie plädierten für eine natürliche, naturverbundene und kosmopolitisch ausgerichtete Lebensweise. Die Kleidung der Hippies war eine bunte Mischung aus Stilen verschiedenster Epochen und Kulturen. Indisch inspirierte Kleidung aus Baumwolle und Seide, zum Teil mit ethnischen Stickereien versehen, wechselten mit blumengeschmückten Hosen und Jacken in psychedelischen Farben. Die Frauen trugen lange Röcke oder orientalisch anmutende Gewänder. Die Haartracht und die symbolisch überfrachtete Kleidung wurde von beiden Geschlechtern gleichermaßen getragen. Die Jeans war ein Zeichen für Rebellion und Unabhängigkeit.

Die Hippie-Mode, die eigentlich keine Mode sein wollte, wurde sehr schnell von Geschäftsleuten aufgegriffen und dadurch zur Mode der Masse. Die Konsumverweigerung wurde zum Konsumgut. Psychedelische Poster von Pop-Helden der Hippie-Kultur wie Greatful Dead und Jimi Hendrix, meist aus der Designschmiede von Wes Wilson, hingen in zahllosen Jugendzimmern und Wohngemeinschaften und aus dem Hippie-Outfit wurde der Ethno- oder Romantik-Look.

Die Mode der 80er Jahre bot alles, denn von hellen Pasteltönen bis hin zu schrillen Farben war vieles erlaubt. Ökos, Popper und Punker hatten Hochkultur. Jeder hatte seinen eigenen Stil, vom Haargel bis zur Lack-Stiefelette. Die 80er waren das Jahrzehnt des Körperkults, in denen man den Körper so formte und kleidete, wie es dem Schönheitsideal entsprach.

Frauen wollten nicht mehr zart und mager sein und dem Schönheitsbild der 60er gleichen, sondern die Powerfrau verkörpern. Der Modetrend zeigte sich stark im Sport Aerobic, welcher in den 80ern der Modesport überhaupt war. Man benötigte knallrote, körperbetonte Trikots und Leggings, bunte Stirnbänder, Legwarmers sowie spezielle Schuhe. Dieser Modestil verbreitete sich so, dass er sich bald auch in die alltägliche Tageskleidung übertrug. Egal ob sportlich oder nicht, Jeans und Turnschuhe waren ein Gesellschaftsmarkenzeichen und um mithalten zu können, passte man sich an.

In den 90ern setzte sich in der Mode dann eher schlichte Eleganz und Klassik durch. Mode sollte bequem und tragbar sein. Die Revolution der Jugend durch Kleidung war nicht mehr nötig, denn die Jugend hatte Ihre Freiheit durch die Abgrenzung der Elterngeneration erlangt. Mode sollte sportlich und chic sein. Allerdings wiederholten sich ab Mitte der 90er Jahre Modeelemente der vorangegangenen Jahre.

Letztendlich ist in der heutigen Zeit tragbar, was gefällt.

(Alle Angaben ohne Gewähr)


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