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Ohrstecker

TIPPS FÜR DEN UMGANG MIT FRISCHEN PIERCINGS

Mindestens zweimal am Tag sollten Sie die Wunde mit einer antibakteriellen Seife reinigen. Seien Sie beim Waschen vorsichtig und entfernen Sie sämtliche Rückstände und Krusten von der Körperstelle und vom Schmuck. Spülen Sie die Seife und die Rückstände gründlich und vorsichtig ab. Salzwasser löst Verkrustungen leichter. Ein Teelöffel Salz auf vier Tassen Wasser ist die richtige Mischung.

Vermeiden Sie die Anwendung von scharfen Waschsubstanzen und Alkohol. Sie greifen die Haut an und trocknen sie aus. Bei einigen aggressiven Substanzen kann Goldschmuck seine Farbe verlieren

Während des Heilungsprozesses sollten Sie sich vor dem Reinigen der durchstochenen Körperstelle die Hände waschen. Lassen Sie während dieser Zeit niemanden den Piercingschmuck anfassen. Vermeiden Sie auch den Kontakt mit fremden Körperflüssigkeiten, z. B. Schweiß oder Speichel. Auch der eigene Schweiß kann die Wunde irritieren. Deshalb sollten sie z.B. nach dem Sport sorgfältig duschen.

Tragen Sie immer saubere Kleidung und wechseln Sie die Bettwäsche jede Woche. Bei einem Ohrpiercing sollten Sie das Telefon und Brillengestelle mit Alkohol reinigen. Sie können auch die Brille mit Wasser und Seife reinigen.

Beim Zungenpiercing sollten Sie zweimal täglich prüfen, ob der Schmuck nicht zu locker sitzt. Löst sich ein Zungenpiercing, können Sie einen Zahn beschädigen oder den Schmuck verschlucken.

Vermeiden Sie den Kontakt mit Make up. Besonders beim Ohrpiercing sollten Sie darauf achten. Vor dem Aufsprühen von Haarspray das Ohr gut abdecken.

Tragen Sie keine engen Kleidungsstücke. Beim Bauchnabelpiercing keine großen Gürtel und Bodies tragen. Schlafen Sie nicht auf dem Bauch.

Beim Schwimmen sollten Sie vorsichtig sein. Meiden Sie öffentliche Bäder, Whirlpools und heiße Wannenbäder während der Heilungszeit.

Beim Zungen- und Lippenpiercing sollten Sie zur Zahn- und Mundpflege ein antibakterielles Mundwasser ohne Alkohol verwenden. Reinigen Sie sich die Zähne und spülen Sie nach jedem Essen und jedem Imbiss. Bekommen Sie davon eine helle Zunge oder schlechten Mundgeruch, ist wahrscheinlich die Mundflora gestört. Dann sollten sie zur Mundpflege statt Mundwasser Salzwasser verwenden.

(Alle Angaben ohne Gewähr)


URSPRÜNGLICHE SYMBOLIK VON OHRSCHMUCK

In Japan wurde schon während der Jungsteinzeit, zwischen 5000 und 3000 vor Christus, die Körperverzierung als kultische Handlung durchgeführt. Auch der rund 5300 Jahre alte Ötzi, der bis jetzt älteste erhaltene menschliche Körper, besitzt 15 Hautbilder. Die Pharaonen des alten Ägyptens trugen, dreitausend Jahre vor unserer Zeit, kostbaren Ohrschmuck oder prachtvolle Nasenringe. Bei den Mayas war die durchbohrte Zunge ihrer Hohepriester ein Ausdruck der Unterwerfung gegenüber den Göttern, und auch heute noch zeigt das rituelle Durchlöchern der Wangen in Indien und Indonesien die gleiche Ehrerbietung vor den göttlichen Mächten.

Die Kulturen, Epochen und Orte variieren zwar, aber es ging immer um die gleichen zentralen Themen: den Glauben an eine höhere Instanz, die Allgegenwärtigkeit übernatürlicher Kräfte in der Natur und die Existenz und Begrenztheit des Menschen. Die mit Kulthandlungen verbundenen Schmerzen besaßen zusätzlich auch einen beschwörenden Charakter, mit denen übernatürliche Kräfte aufgerufen wurden.

Ohrringe waren zu allen Zeiten und in vielen Kulturen verbreitet und bei vielen Stämmen sowohl für Frauen als auch für Männer ein Gegenstand der Huldigung, aber auch der Verführung. Bei manchen Stämmen sollten Sie sogar vor Geistern schützen, die in die Ohren eindringen wollten. Der Ohrschmuck hatte - auch heute noch - verschiedenste Bedeutungen. Für den Stamm der Kikuyu in Kenia beispielsweise, wird das Ansehen einer Person heute noch an der Anzahl des Ohrschmucks gemessen, den ihre Ohren aufnehmen können, ohne zu zerreißen.

Ohrschmuck wurde in Form von Scheiben, Pflöcken, Ringen, Gehängen oder Knöpfen am Ohr getragen. Er wurde in praktisch allen Epochen und allen Erdteilen von Frauen, und meist auch von Männern und Kindern, getragen. Schon aus der Jungsteinzeit ist die Benutzung von Ohrpflöcken und Ohrknöpfen bekannt. Ohrringe aus Kupfer wurden schon in der ausgehenden Jungsteinzeit bzw. der frühen Bronzezeit angelegt. Spätestens seit dem Mittelalter ist die Verbreitung und Art von Ohrschmuck in Mitteleuropa starken Modeschwankungen unterworfen, übrigens meist in direktem Zusammenhang mit der jeweiligen Haartracht.

Im Laufe der Zeit galt der Ohrschmuck nur noch als Modeerscheinung und hatte, zumindest in Europa und später auch in Amerika, keine rituellen Hintergründe mehr. Andere Körperdurchbohrungen als die der Ohren wurden bei den Industrienationen nicht mehr durchgeführt und galten als primitiv. Erst Ende der 70er Jahre kamen die Körperdurchbohrungen als so genannte „Piercings“ wieder in Mode. Zunächst bedienten sich nur Randgruppen, wie beispielsweise die Punks, dieser Art von Schmuck, um sich gesellschaftlich abzugrenzen. Aber schon in den 90er Jahren war dieser Modetrend in allen Bevölkerungsschichten vertreten. Mehr als zwei Millionen Deutsche tragen heute mindestens ein Piercing.


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