DIE TRADITION DER EHERINGE
Der Ehering ist ein allgemein verwendetes Symbol bei Liebenden für den ewigen Bund und stellt durch seine Kreisform die nie enden wollende Liebe dar. Die Urform des Schmucks ist der Ring, dem seit jeher Mystik und geheime Kräfte zugeschrieben werden. Viele der in Italien gefundenen Eheringe aus Eisen hatten die Form eines kleinen Schlüssels, ein Zeichen dafür, dass man mit dem Ring der jungen Ehefrau die „Schlüsselgewalt“ übertragen hatte. Aber schon seit Jahrtausenden ist der Austausch von Ringen Tradition. Bereits die Römer fertigten Ringe mit Inschriften wie „Pignus amores habes“, was so viel bedeutet wie „Du hast meiner Liebe Pfand”. Diese römische Sitte wurde von den Christen übernommen und weitergegeben.
Auch die alten Germanen kannten den Ring als Pfand der Liebe. Der Mythos des Nordens berichtet, dass sich Siegfried und die Walküre Brunhild mit einem Ring ewige Treue geschworen hatten. Schließlich soll das dramatische Ende der Nibelungen darauf zurückzuführen sein, dass Siegfried den Treueschwur gebrochen hat.
Der Ring als Zeichen der Treue hatte bereits um 1200 n. Chr. eine so starke Bedeutung, dass eine bischöfliche Anordnung jungen Männern untersagte, den Mädchen im Scherz einen Ring an den Finger zu stecken. Schließlich verstärkte man im 14. und 15. Jahrhundert noch die bindende Kraft des Ringes, indem man ihm einen unlösbaren „Liebesknoten“ aus Golddraht zufügte.
Der Theologe Johannes Herold (gestorben 1468) schreibt, der runde Ring zeige die Verpflichtung zur Beständigkeit in der Liebe, die allein der Tod beenden dürfe. Doch nicht nur der Form des Ringes, sondern auch der Finger, an dem der Ring getragen wurde, spielte eine größere Rolle. Auf Empfehlung des im 7. Jahrhundert lebenden Isidor von Sevilla übernahm das „Manuale curatorium“ des Johann Ulrich Surgant (gestorben 1503) die Anweisung, dass der „Mahelring“ an den vierten Finger der linken Hand gehört.
Schon die antike Blutlehre der Ägypter vertrat die Ansicht, dass eine Arterie an diesem Finger, die man „vena amoris“ (Liebesader) nannte, direkt zum Herzen führt. Der Ring fand über die Liebesader Anschluss an das Herz und wurde so zu einem weiteren Zeichen der Liebe und Treue. Römer und Griechen trugen den Ring am Ringfinger der linken Hand, die Gallier am Mittelfinger. Heutzutage wechselt der Ring bei der Trauungszeremonie vom Ringfinger der linken zur rechten Hand.
Verlobungs- und Eheringe hatten nicht immer die glatte und schmucklose Form, die heute als Symbol der Bindung gebräuchlich ist. Bis in das 17. Jahrhundert waren ineinander greifende Hände, Herzen, Zwillingsringe oder Liebesknoten geläufige Motive der Liebessymbolik.
Auch der Besatz der Ringe mit einem Diamanten gehört zu einer alten Tradition. So leitet sich das Wort Diamant aus dem griechischen „Adamas“ ab. Die Griechen glaubten, dass das Feuer eines Diamanten die unsterblichen Flammen der Liebe darstellt. Im 15. und 16. Jahrhundert gab es die Zwillingsringe, von denen jeder Verlobte einen bis zur Trauung trug. Am Tag der Trauung wurden beide wieder zusammengeführt und die Braut trug den Zwillingsring als Ehering.
Auch Trauringgravuren haben eine alte Tradition. „Ich bin din du min“ war über die Zeit der Minnesänger hinaus sehr beliebt, ebenso „in mir ist Trau“ oder „Du hast mein Herz“. Im 15.Jahrhundert versprachen manche auch „immer und immer“ sichtbar auf der Außenseite des Ringes. Manchmal hieß es aber auch drohend „Nimm Dich in Acht“ oder schlicht „Liebe und gehorche“. Nach einem alten Aberglauben verliert der Ehepartner, der den Ring verliert, auch die Liebe. Deshalb wird vorsichtshalber empfohlen, den Ehering niemals abzulegen.
Der Augenblick, an dem der Ehemann seiner Frau den Ring an den Finger steckt, hatte nicht immer nur eine feierliche Bedeutung. Um ihn rankt sich auch viel Aberglaube. So hieß es einmal, wenn der Ring im vorderen Fingerteil stockt, dann wird die Frau das Haus beherrschen. Nur wenn der Ring glatt bis zur Fingerwurzel durch glitt, sei der Mann Herr und Gebieter. Aus diesem Grund sollen gewitzte Mädchen den Ringfinger einfach abgebogen haben, so dass der Ring am mittleren Gelenk hängen blieb.
Der Ring als Symbol der Unendlichkeit hat bis heute seinen Sinn behalten. Ob als Trau- oder Verlobungsring oder als Ring zum Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit. Heute gibt es unendlich viele Variationen zum Thema Trauringe, aus Gold oder Platin, klassisch glatt oder gemustert, ein oder mehrfarbig, glänzend oder matt oder veredelt durch einen faszinierend schönen Diamanten. Jeder Ring ist ein Zeichen der Zusammengehörigkeit.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
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