SPRACHE IST WIE MUSIK
Der Mensch benutzt beim Sprechen bevorzugt die Töne der chromatischen
Tonleiter. Dies gilt selbst für so unterschiedliche Sprachen wie Englisch
und den chinesischen Standarddialekt Mandarin. Diese Schlussfolgerung ziehen
amerikanische Wissenschaftler aus einer statistischen Untersuchung verschiedener
Sprachen, über die sie im Fachmagazin Journal of Neuroscience berichten.
In praktisch allen menschlichen Sprachen werden bestimmte Tonhöhen
lauter ausgesprochen als andere. Besonders überrascht waren die Wissenschaftler,
als sie feststellten, dass die in der höchsten Lautstärke gebrauchten
Frequenzen genau die Töne der chromatischen Tonleiter widerspiegeln.
Diese Tonskala ist die Grundlage fast aller Formen von Musik und entspricht
den schwarzen und weißen Tasten auf einem Klavier.
Beim Sprechen verwenden Menschen bevorzugt Tonhöhen, die in einem,
auch nach musikalischen Begriffen, harmonischen Verhältnis zueinander
stehen: Oktaven sind beispielsweise die in der Sprache am meisten verwendeten
Intervalle, häufig waren es auch Quinten, während die als disharmonisch
empfundene kleine Sekunde praktisch überhaupt nicht auftritt.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
WISSENSCHAFTLER LÜFTEN DAS GEHEIMNIS DES RHYTHMUS
Ob Musik zum Tanzen animiert oder eher ein intellektuell anregendes
Klangerlebnis bietet, hängt von der Vielschichtigkeit ihres Rhythmus
ab. Brasilianische Physiker haben ein Analyseverfahren entwickelt, mit dem
diese rhythmische Komplexität von Musik gemessen werden kann. Damit
lassen sich die durch die Rhythmik bedingten Schwankungen der Lautstärke
bestimmen und deren Kompliziertheit in einer Zahl ausdrücken. Den niedrigsten
Wert erhielten die traditionelle brasilianische Forró-Musik und Techno,
die höchsten Werte klassische, indische und europäische Musik.
Die Forscher um Heather Jennings von der Universität
von Alagoas verwendeten für ihre Analyse ein Verfahren,
wie es ähnlich auch zur Auswertung der Muster eines Herzschlags
oder von Schwankungen an der Börse verwendet wird. Damit
werteten sie die Komplexität von vier Minuten-Abschnitten
verschiedener Musikstücke aus. Am unteren Ende der Skala
rangierte besonders gut tanzbare Musik mit stampfenden Rhythmen
wie Techno und Forró.
Zur Überraschung der Forscher lagen Jazz und Rock \'n\'
Roll im Mittelfeld etwa gleichauf. Die komplexeste Rhythmik
wiesen europäische klassische Musik und die Musik der
Hindu auf. Die Skala sei jedoch kein Qualitätsmaßstab
für Musik, betonen die Forscher. Sie gebe lediglich an,
welcher Musikstil besser zum Tanzen und welcher besser zum
Zuhören geeignet sei.
MUSIK UND REBELLION – DIE SWING-KIDS
Jazz und Swing-Musik der meist schwarzen US-amerikanischen Interpreten
kamen bereits in den 1930er Jahren nach Deutschland. Für viele
Jugendliche, besonders aus den Großstädten wie Berlin und
Hamburg, entwickelte sich daraus ein neues Lebensgefühl – sie
waren Swing-Kids. Unbekümmert machten sie sich zunächst
aus ihrem \"Anderssein\" einen Spaß. Doch die Vorliebe
für Swing-Musik wurde für die Jugendlichen lebensgefährlich.
Die Anfänge des Swings liegen in den Golden Twenties.
Von Amerika aus verbreitete sich die fast ausschließlich
von Afroamerikanern gespielte Musik bis nach Europa. Vor allem
in den Großstädten Berlin und Hamburg, aber auch
in Bremen oder Frankfurt am Main fand diese Musik begeisterte
Fans – vor allem bei den Jugendlichen. Swing wurde weniger
in der Öffentlichkeit, als vielmehr im privaten Rahmen
gehört. Swing-Bands wurden gegründet und Swing-Partys
veranstaltet, bei denen exzessiv, bis in den frühen Morgen
hinein, getanzt wurde. Anfänglich trafen sich die Swingkids
zu großen Partys. Mit der Zunahme von Razzien 1940 fanden
die Treffen dann nur noch im kleineren Rahmen statt. Man hörte
die verpönten Platten und tanzte nach einem eigenen,
neu entwickelten Stil.
Unmittelbar nach der Machtübernahme wurde in der beliebten
Radiosendung \"Berliner Funkstunde\" schon keine Swingmusik
mehr gespielt. Diese Art der Musik galt als \"musikalischer
Untergang des Abendlandes\". In vielen Cafés wurden
Schilder mit der Aufschrift \"Swing tanzen verboten\" aufgehängt.
Die Nationalsozialisten begannen mit ihrer Jagd auf die Swingkids.
Die Anhänger dieser \"entarteten\" Musik galten
als \"degeneriert\", \"krank\" und \"kriminell
veranlagt\". Strikt verboten war das \"Abhören
von Feindsendern\". Tatsächlich wurden nach dem Sendeverbot
im deutschen Rundfunk 1935 vermehrt ausländische Sender
gehört. Nur so war an die neueste Musik heranzukommen.
Nur so konnte sie aufgezeichnet und schwarz verkauft werden.
1940 nahmen die Verhaftungen von Swing-Jugendlichen zu. Vor
allem die finanziell weniger gut gestellten Mitglieder der
Szene wurden zur \"Umerziehung\" in Arbeitslager gesteckt.
Ein großer Teil der Jugendlichen starb in Jugendkonzentrationslagern
an körperlicher Erschöpfung und mangelnder Ernährung.
TEILCHENPHYSIKER RETTEN MUSIKALISCHES ERBE
Teilchenphysiker des Berkeley Lab haben jetzt eine Methode entwickelt,
mit der sie die auf einer alten Schallplatte gespeicherte Musik wiederherstellen
können, ohne die Platte weiter zu beschädigen.
Die Physiker verwenden dabei zwei verschiedene Verfahren, die in
der Teilchenphysik perfektioniert wurden. Zum einen benutzen sie ein
optisches Messsystem, das für die Inspektion und die exakte Vermessung
von Teilchendetektoren entwickelt wurde. Zum anderen wenden sie auf
die so erhaltene \"Karte\" der Rillen Bilderkennungsverfahren
an, die für die Auswertung der Bilder aus Nebelkammern eingesetzt
werden. Nebelkammern sind mit Wasserdampf gefüllte Gefäße,
durch die physikalische Teilchen geschickt werden. Die ansonsten unsichtbaren
Teilchen hinterlassen auf ihrem Weg durch die Kammern Nebeltropfen.
Dadurch können ihre Flugbahnen von Physikern ausgewertet werden.
Die Bilderkennungsverfahren zur Rauschunterdrückung werden also
dazu genutzt, Kratzer und Verschmutzungen in den Schallplattenrillen
von den Erhebungen zu unterscheiden, die die Musikinformation tragen.
Die Fehler werden dann von Computerprogrammen weggerechnet. Im letzten
Schritt rekonstruiert eine Software den Weg, den die Schallplattennadel
durch das \"Rillengebirge\" nehmen würde. Die Bewegung
der Nadel kann dann in ein digitales Musikformat übersetzt werden.
Das Ergebnis ist eine glasklare Musikaufnahme, der man ihr Alter nicht
anhört.
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