DIE TRANSSIBIRISCHE EISENBAHN
Bereits um 1850 hatten Gouverneure die Idee, eine Eisenbahnlinie
durch Sibirien zu bauen, um die westliche Welt besser erreichen zu
können. Allerdings kam es erst nach der Fertigstellung der Eisenbahnlinien
in Amerika und in Kanada sowie dem Amtsantritt des Zaren Alexander
III zum Bau der Transsibirischen Eisenbahn. Da vom Ural nach Moskau
schon eine Eisenbahnstrecke existierte, musste nur noch das Gebiet
von Celjablinsk im Ural und Wladiwostok am Pazifik miteinander verbunden
werden. Diese Region bestand aus weiten kargen Steppen und dem Baikalsee.
Im Mai 1891 begann man an verschiedenen Punkten gleichzeitig
mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn. Nach diesen einzelnen
Baustellen im Osten und im Westen wurden später die Eisenbahnverwaltungen
benannt. Demnach heißen die einzelnen Stationen heute
noch die Westsibirische-, die Mittelsibirische-, die Baikal-,
die Transbaikalische-, die Amur- und die Ussuri-Bahn. Den ersten
Spatenstich tätigte der damalige Zarenthronfolger Nikolaj
II in Wladiwostok. Im September 1897 wurde die Ussuri-Bahn als
erste Teilstrecke für den öffentlichen Verkehr freigegeben.
In der Zeit von 1892 bis 1895 baute man an der Westsibirischen
Eisenbahn, von Celjabinsk bis zum linken Ob-Ufer. Der Ausbau
der Mittelsibirischen Eisenbahn, vom rechten Ufer des Ob zum
Baikalsee, dauerte ganze fünf Jahre bis 1889. Ebenfalls
fünf Jahre benötigte man für den Bau der Transbaikalbahn
am anderen Ende des Baikalsees, mit deren Bau man 1895 startete.
Das bergige Land um den Baikalsee war so schwierig zu bearbeiten,
dass eine durchgehende Eisenbahnstrecke nicht möglich war
und man als Alternative eine Fährverbindung über den
Baikalsee anlegte. Dafür bestellte man 1893 zwei Fährschiffe
bei der Werft Armstrong & Co in Glasgow, die dann allerdings
erst 1900 zum Baikalsee gebracht werden konnten. Die beiden
fertig gestellten Schiffe wurden für die Verfrachtung vollständig
auseinander gebaut, in Kisten verpackt, nach Sibirien versandt
und in Listvjanka, bei Irkutsk, wieder zusammengebaut. Das große
Schiff, die „Baikal“, wies eine Länge von 88
Metern, eine Breite von 18 Metern und eine Höhe von 8,7
Metern auf. Es hatten darauf 26 Eisenbahnwaggons, 200 Passagiere
und 750 Tonnen Güterlast platz. Das kleinere der beiden
Schiffe, die „Angara“, kann heute noch in Irkutsk
besichtigt werden.
Die beiden Fährschiffe konnten allerdings nur während
der neun Monate eingesetzt werden, in denen sich keine meterdicke
Eisschicht über den See erstreckte. Im verbleibenden Vierteljahr
mussten spezielle Schlitten zur Hilfe genommen werden, um die
Waggons über das Eis zu befördern. Im Krieg zwischen
Japan und Russland wurden Schienen über das Eis gelegt,
um die Versorgung des Ostens zu verbessern. Nachdem Russland
den Krieg verloren hatte, hielt man den Fährweg über
den Baikalsee für eine gefährliche Schwachstelle und
beschloss, sie zu beseitigen. Zwischen 1902 und 1905 baute man
deshalb doch, trotz schwierigster Bedingungen, eine Bahnlinie,
die um den See herum führte.
Auch das Gebiet zwischen dem See und Chabarowsk wies sich als
Problemzone aus, da Dauerfrostboden, die strengsten Winter Sibiriens
und häufige Überschwemmungen auf dieser Strecke das
Passieren oft unmöglich machten. Da sich China nach einem
Krieg mit Japan als Verbündeter anbot, handelte Russland
einen Eisenbahnkorridor durch Ostchina aus, der die schwer passierbare
Strecke zwischen dem Baikalsee und Chabarowsk ersetzte. Russland
handelte einen 25jährigen Pachtvertrag für diese Verbindung
nach Wladiwostok aus.
Da man aber ständig den Feind Japan fürchtete, wuchs
nun auch die Angst, dass Japan China besetzen könnte und
damit die einzige Verbindung vom Ural zum Pazifik unterbrochen
werden könnte. Dies veranlasste Russlands Regierung, die
Amur-Bahn zu planen, die nicht durch China, sondern durch Russland
führen sollte. Die Bauarbeiten dafür begannen 1907
und waren sieben Jahre später mit der Fertigstellung der
Amurbrücke bei Chabarovsk beendet. Die Transsibirische
Eisenbahn war damit durchgehend ausgebaut. Bis zu 90.000 Bauarbeiter
waren zeitgleich mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn
beschäftigt. Da Sibirien selbst nur eine geringe Bevölkerungsdichte
aufzuweisen hatte, stellte man eine Truppe von Gastarbeitern
aus Kosaken, Bauern, Sträflingen, Chinesen, Italienern
und Türken zusammen.
Um 1905 hatten die Russen schon zwei Schienenstrecken vom Ural
bis Irkutsk errichtet. Bis ungefähr 1925 nutzte man für
die Strecke Dieselloks aus Deutschland. Um 1961 war die Elektrifizierung
der Strecke von Moskau bis Irkutsk durchgehend ausgebaut.
Die E-Loks, die heute auf der Strecke unterwegs sind, kommen
aus russischer oder tschechischer Produktion. Die Waggons
hingegen werden auch heute noch alle im Waggonbau Ammendorf,
bei Halle an der Saale, hergestellt.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
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