THEMA UMWELTSCHUTZ: VERANTWORTUNG GEFRAGT
Kreuzfahrten boomen wie noch nie zuvor. Durch den Bau immer
größerer Schiffe und die preisliche Anpassung an ein Massenpublikum
haben sich die Passagierzahlen seit den Achtziger Jahren nahezu verdoppelt.
Doch ist der Massenauflauf der Luxusliner für das ökologische
Gleichgewicht der Weltmeere, Flüsse und großer Seen noch
zumutbar? Erst seit 1992 existieren verbindliche Umweltstandards,
die Flotten und Reedereien vorschreiben, wie sie ihren Müll und
ihre Abwässer zu entsorgen haben. Gerade die modernen Kreuzfahrtflotten
halten diese Vorschriften nicht nur ein, sondern lassen darüber
hinaus noch progressivere Entsorgungsmodelle auf ihren Schiffen implementieren,
um die Umwelt so wenig wie möglich zusätzlich zu belasten.
Denn man weiß: wenn die Gewässer und Ozeane dieser Welt
nicht mehr in Takt sind und an Attraktivität verlieren, werden
auch die zahlenden Kreuzfahrtpassagiere ausbleiben.
Momentan gibt es drei Marktführer im Bereich der umweltgerechten
Müll- und Abwässer-Beseitigung auf Kreuzfahrtschiffen.
Einer davon ist eine Firma mit Sitz in Oldenburg, die spezielle
Verbrennungsanlagen zum Einbau auf Schiffen anbietet. Dass
Umweltschutz nicht billig ist, scheint wohl eher Nebensache:
zwischen vier und acht Millionen Euro müssen Reederein
für den Einbau einer derartigen Verbrennungsanlage berappen.
Doch nirgendwo ist Geld besser angelegt als in der Erhaltung
des ökologischen Gleichgewichts.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
BOOM DER SCHIFFSREISEN
Die Queen Mary 2 ist der Beweis: noch nie waren Kreuzfahrten gefragter
als heute. Trotz einer regelrechten Rezession in der Tourismus-Branche,
hervorgerufen durch Terror-Anschläge, Kriege und wirtschaftliche
Krisen, gaben allein im Jahr 2002 die Deutschen, Schweizer und Österreicher
nahezu 880 Millionen Euro für Schiffsreisen aus. Und der Trend
scheint ungebremst in die gleiche Richtung zu gehen. Wenn man bedenkt,
dass in 2002 und 2003 insgesamt 27 neue Kreuzfahrtschiffe vom Stapel
gelassen wurden, die die Weltmeere, Flüsse und großen Seen
bereisen, und für 2004 bis dato 12 Taufen von neuen Luxus-Linern
anstehen, kann von einer allgemeinen Tourismusflaute wohl keine Rede
mehr sein. Durch den Bau immer größerer Schiffe mit nahezu
gigantischen Ausmaßen (Passagierkapazität der Queen Mary:
2600!), können Kreuzfahrten auch günstiger angeboten werden
als es noch vor zehn Jahren der Fall war. Denn die großen Reedereien
wollen jüngeres Publikum an Bord locken. Mit dem Bau von Funships
wie der MS Aida, auf der es keine Kleiderordnung mehr gibt, dafür
umso mehr Fun, Sport und Entertainment, will man den All-Inclusive-Clubs
dieser Welt Konkurrenz machen. Party bis zum Umfallen, und das zu
Preisen, die einem zweiwöchigen Kuba-Urlaub gleichkommen. Eigens
dafür wurde auch die sportliche Infrastruktur auf Kreuzfahrtschiffen
neu definiert. Golf-Übungsplätze, Freeclimbing-Wand und
Wellness-Center sind auf den Ozeanriesen der neuen Generation bereits
Usus.
|