ZYPERN – GETEILTE SCHÖNHEIT IM MITTELMEER
Geschichte und politische Lage
Wenn man heute Zypern hört, denkt man leider häufig an die
Tatsache, dass die wunderschöne Insel im Mittelmeer geteilt ist,
Resultat eines missglückten Eroberungsversuchs durch die Türkei.
Jahrhunderte lang war die Insel schon Spielball vieler Mächte (Griechenland,
Türkei, Venezier, Byzanz, Römer, Briten...), wechselte häufig
zwischen der Türkei und Griechenland hin und her. Bis 1960 war
die Insel Teil Großbritanniens, doch auch nach der Unabhängigkeit
behielten sich die ehemalige Mutternation, die Türkei und Griechenland,
das Recht vor, in die Entwicklungen der Insel einzugreifen.
Die Türkei hat die zypriotische Regierung bis heute nicht anerkannt.
Nach einem vom griechischen Militär angezettelten Coup auf der
Insel besetzte die Türkei den nördlichen Teil der Insel
und erklärte 1975 dessen Unabhängigkeit. Diese Republik
Nordzypern wird jedoch nur von der Türkei und der Organisation
der Islamischen Konferenz anerkannt.
Beide Teile der Insel sind mittlerweile durch Migration nahezu rein
türkisch (der Nordteil) bzw. rein griechisch (der Südteil)
geworden. Seit langer Zeit wird versucht, eine Wiedervereinigung der
beiden Teile zu erwirken. Es gab einige Erfolge: so wurden die Grenzen
leicht geöffnet, eine Einreise in den nördlichen Teil vom
Süden aus ist möglich, seit neuestem kann man auch vom Norden
aus in den Süden reisen. Der letzte, äußerst viel
versprechende Plan der UNO zur Wiedervereinigung scheiterte Anfang
diesen Jahres, als die griechische Hälfte diesen Plan in einem
Referendum mit großer Mehrheit ablehnte. Die türkische
Seite hatte ihn jedoch angenommen.
Nach dem Beitritt Zyperns zur EU am 1. Mai 2004 ergibt sich nun eine
bizarre Situation: obwohl offiziell die ganze Insel beigetreten ist,
bleibt die Insel geteilt und EU-Recht gilt nur im südlichen Teil.
Es bleibt zu hoffen, dass die Integrationskräfte der EU dieser
seltsamen Lage bald ein Ende bereiten und die Insel voll in die EU
aufgenommen wird.
Sehenswertes
Ganz abgesehen von dieser traurigen Situation sollte man die
Insel aber nicht links liegen lassen. Ein Besuch ist ungefährlich
und auf jeden Fall lohnend – die Schönheit der Insel
ist atemberaubend, und, durch die Verbesserung der politischen Lage
steht auch einem Besuch des nördlichen Teils nichts im Wege
(siehe Einreise weiter unten).
Der touristisch noch nicht so stark entwickelte türkische Teil
ist gerade deswegen so reizvoll – noch keine überlaufenen
Strände, Hotelburgen und kaputt renovierte Altstädte, stattdessen
einsame Landschaften und kleine alte Städte und Dörfer.
Egal ob Gazimagosa (Famagusta), das St. Barnabas Kloster oder die
vielen Burgen und Schlösser, der Norden steht dem Süden
hinsichtlich Sehenswürdigkeiten in nichts nach.
Im Süden locken natürlich Nikosia, ein Juwel aus dem 7.
Jahrhundert, das seine Blütezeit im 12. bis 15 Jahrhundert erlebte.
Die Altstadt ist bis heute von der nahezu komplett erhaltenen Stadtmauer
umgeben, die erbaut wurde, um türkischen Angriffen zu widerstehen.
Besonders hier wird die Teilung der Insel spürbar – die
Grenze läuft durch die Stadt, eine militärische Pufferzone
trennt den nördlichen und südlichen Teil voneinander.
Will man aller Politik entfliehen, kann man die Städte Limassol
und Paphos besuchen. Limassol stellt eher das moderne Zypern dar,
es ist sowohl das industrielle Zentrum der Insel, aber auch das Vergnügungszentrum – durchtanzte
Nächte in einem der vielen Nachtclubs sollten für Nachtschwärmer
genau das Richtige sein. Paphos hingegen ist ein historischer Ort,
die byzantinische Burgruine und die Nekropole mit dem Grab der Könige
sind besonders erwähnenswert.
Sucht man hingegen die reine Schönheit der Natur, so findet
man auf Zypern ein Wanderparadies. Besonders in den Troodos-Bergen
gibt es eine Vielzahl von Wanderwegen, die sowohl für geübte
als auch für ungeübte Wanderer geeignet sind. Ausgangspunkt
für viele Wanderungen ist Platres, ein Ort im Troodos-Gebirge.
Von hier aus kann man entweder den Gipfel des Troodos erstürmen
(ca. 2000 m), zu Wasserfällen und Klöstern wandern oder
einfach bei einem leichten Spaziergang die wunderbaren Ausblicke auf
das Gebirge und die Umgebung genießen. Auch Skifahren ist hier
möglich. Auf dem Olympusberg gibt es einen Skilift und die Bedingungen
sind i.d.R. von Mitte Januar bis Mitte März ideal für eine
Abfahrt.
Einreise
Staatsbürger der Europäischen Union benötigen weder
für den Süd- noch für den Nordteil ein Visum. Aufpassen
sollte man jedoch beim Übertritt vom Süden in den Norden.
Der einzige Grenzübergang, an dem dies bisher möglich war,
ist in Nikosia. Bis zum Beitritt zur EU war dies nur von Süd
nach Nord möglich, die zypriotische Regierung hat dies jedoch
geändert. Heute kann man, egal von welchem Land aus man einreist,
zwischen Nord- und Südteil hin- und herreisen. Trotzdem ist es
ratsam, sich bei den örtlichen Behörden nach den neuesten
Formalitäten zu erkundigen. Denn früher konnte ein nord-zypriotischer
Stempel im Pass (wenn man z. B. von der Türkei aus einreiste)
eine Einreiseverweigerung in den Süden nach sich ziehen und zu
Schwierigkeiten bei der Einreise nach Griechenland führen. Dies
ist zwar abgeschafft, aber es ist fraglich, ob sich dies schon bis
zum letzten Passbeamten durchgesprochen hat.
Lassen Sie sich von diesem bürokratischen Gewirr jedoch keinesfalls
davon abhalten, die Insel zu besuchen – die Schönheit der
Natur und der Städte wird Sie in jedem Fall vielfach entschädigen!
(Alle Angaben ohne Gewähr)
|