KLEINES SPIELDOSEN-BREVIER
Wenn Menschen die Melodie einer Spieldose erkennen, wollen sie
diese wieder und wieder hören. Das ist das einfache Geheimnis
der Spieldosen. Spieldosen hießen ursprünglich Spieluhren,
da die filigranen Musikwerke, die dem Mechanismus von Uhren nicht
unähnlich sind, traditionell von Uhrmachern hergestellt worden
sind. Die Spieluhr wurde von dem Schweizer Uhrmacher Antoine Favre
erfunden.
Das Glockenspiel hatte Antoine Favre inspiriert, ein mechanisches
Musikwerk im Miniaturformat zu konstruieren. So behielt er die
Idee einer sich drehenden Walze bei, ersetzte aber die Glocken
durch Metallstifte, so genannte Zungen, deren Klang er zuvor
auf die Tonleiter abgestimmt hatte. Die Zungen werden in einer
Reihe angeordnet und bilden einen so genannten Kamm. Die Anzahl
der Zungen ist ausschlaggebend dafür, wie raffiniert das
Musikstück ist, das gespielt werden kann. Je mehr Zungen
eine Spieluhr besitzt, desto höher ist natürlich auch
ihr Preis.
Allerdings ist der Platz auf der Walze, der durch seine Drehung
die verschiedenen Zungen zum Klingen bringt, begrenzt. Dadurch
kann ein Musikstück nur in verkürzter Form gespielt
werden. Je nach dem, wie groß das Musikwerk ist, kann
eine Melodie ausführlicher oder kürzer wiedergegeben
werden. Die klassische Wiedergabedauer einer Melodie beträgt
17, 25 oder 50 Sekunden.
Neben dem Musikwerk besteht eine Spieluhr aus einer meist kunstvoll
gefertigten Kassette oder einer verzierten Dose. Die hohe Handwerkskunst
der ‚Verpackung’ sollte jedoch nicht darüber
hinwegtäuschen, dass das eigentliche Meisterwerk in ihrem
Inneren verborgen ist. Die Spieluhren werden deshalb auch bis
heute anhand ihrer Mechanik unterschieden.
Der älteren Spieluhren haben alle einen Walzen-Mechanismus,
auch Zylinder-Mechanismus genannt. Allerdings sind sie aufgrund
ihrer Technik auf ein Musikstück begrenzt. Wollte man eine
neue Melodie hören, musste man sich zwangsläufig eine
neue Spieluhr kaufen. Erst die Herstellung von Platten-Spieluhren
ermöglichte eine umfangreichere und vor allem austauschbare
Auswahl an Musikstücken.
Wer sich nicht ganz sicher ist, wie er das Baujahr einer Spieluhr
datieren soll, muss sich aber nicht unbedingt mit der Mechanik
des kleinen Kunstwerks auseinandersetzen. Allein schon das Alter
der Musikstücke der kleinen Zierstücke kann schon
häufig Auskunft darüber geben, auf welche Zeit sie
in etwa datiert werden können.
Die meisten Spieluhren-Hersteller sind in der Schweiz, in der
Gegend um Genf, beheimatet. Die bekanntesten Hersteller der
Zylinder-Spieldosen sind L\'Epee, Abrahams, Baker-Troll, Mermod
Frères, Nicole Frères, Paillard, B.A Brémond.
Die bekanntesten Erzeuger für Platten-Spieldosen sind Symphonion,
Polyphon, Kalliope, Monopol und Regina.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
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