DIE BUNTE VIELFALT DER HANDYLOGOS
Können Sie sich noch an die Zeiten erinnern, in denen es als Sensation
galt, wenn man ein kleines Bildchen, zusammengesetzt aus ein paar Strichen,
als Hintergrundbild auf seinem Schwarz-Weiss-Minidisplay hatte? Und
welche weitere Sensation es war, als diese Bildchen zusammen mit der
Handytechnologie immer größer, bunter und beweglicher wurden?
Alles Schnee von gestern. Es gibt kein Handy mehr, auf das man nicht
eine Vielzahl von verschiedenen Logos laden kann, vom einfachen Willkommensgruss über
das Bild vom Lieblingsstar bis hin zu komplexen geometrischen Formen.
Neue Handys können viel mehr: in allen Farben der Welt
werden tanzende, lachende oder blinkende Logos angeboten, die
man sich über das Internet oder einfach per SMS auf sein
Handy bestellen kann. Aber auch die “herkömmliche” Musikindustrie
hat den Nutzen von Handylogos und Klingeltönen für
sich entdeckt. Zusammen mit einer Klingeltonversion des neuesten
Hits eines Popstars kann man sich aus dem Netz natürlich
auch ein schickes Handylogo mit Bild und Namen des Stars herunterladen.
Die Musikproduzenten platzieren dann auch gleich einen Link
auf die Seite, der den Kauf der CD bewirbt.
Mittlerweile gibt es aber auch voll animierte Figuren, die
nur geschaffen wurden, um als Handylogo den Benutzern das Handy
zu verschönern. Dies stellt den neuesten Trend dar: ging
es früher darum, Bilder von bekannten Comicfiguren, Popstars
oder anderen Berühmtheiten als “Coolness”-Faktor
auf seinem Handy zu haben, schafft momentan eine ganze Industrie
immer neue Figuren, um die sich möglichst ein eigener Kult
entwickeln soll, so dass man zusätzlich zu den Handylogos
noch andere Produkte als Zubehör verkaufen kann.
Angefangen hat es mit dem berühmten Klingelton, zu dem
auf MTV immer und immer wieder ein recht amüsanter Werbeclip
gespielt wurde. Dadurch entwickelte sich ein Kult um den blassen,
mit sackartiger Unterhose bekleideten Jüngling, der mit
langbeinigen Schönheiten um die Wette tanzte, da er diesen
witzig-spritzigen Klingelton hatte. Kurz darauf wurde um den
Klingelton herum ein Popsong geschrieben und ein volles Video
mit eigener Choreographie gedreht, der Song stürmte an
die Spitze der Charts.
Ähnliches passiert nun auch mit den animierten Handylogos.
Vor allem die Firma Jamba, einer der Marktführer auf dem
Gebiet der Klingeltöne und Handylogos, stellt nun das “Rave
Hippo” vor – ein grinsendes lila Hippo, dass zu
einem poppigen Klingelton auf Ihrem Handydisplay einen Tanz
vollführt. Beschwingt mit den Hüften wackelnd, im
Outfit eines Sumoringers, lässt es die Fettröllchen
wabbeln oder versucht, sich sexy-lasziv zu bewegen. Es wird
wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis entsprechendes Zubehör
erhältlich ist – T-Shirts, Schlüsselanhänger
und Handy- bzw. Computerspiele sind nur die logische Weiterentwicklung.
Jamba promotet das lustige Tier gleich als Kult, kaum dass
das Handylogo auf den Markt ist. Damit nutzt die Firma den Trend
aus, der sich vor allem unter Jugendlichen immer weiter verbreitet:
der ständige Austausch von Handylogos und immer neuen Klingeltönen.
Und die Displays werden immer größer bzw. bieten
durch immer höhere Auflösung gestochenere Farben und
Konturen. Angeheizt durch die sich ständig verbessernde
Technologie der Handydisplays, werden auch die Handylogos immer
komplexer.
Somit mutiert das Handy zum Tamagotchi-Ersatz: Stundenlang
kann man sich durch die Vielzahl der Handylogos klicken, die
man auf seinem Handy mittlerweile speichern kann, immer neue
Kombinationen von Klingelton und Handylogo ausprobieren. Der
eigentliche Zweck des Handys, das Telefonieren, tritt dabei
immer weiter in den Hintergrund.
Eigentlich wäre diese Spielerei harmlos, doch bringt diese
rasante Entwicklung leider auch Nachteile mit sich – und
das sind die Kosten. Zum einen lassen sich die Handylogo-Firmen
die Logos einiges kosten. Zwei bis drei Euro pro Logo zahlt
man schnell, und wer immer auf dem neuesten Stand bleiben will,
ist in Kürze ein kleines Vermögen los. Günstiger
wird es durch Monatspakete, die einige Firmen anbieten. Hier
zahlt man z.B. 5 Euro im Monat und kann sich dafür aus
einer Liste mehrere Handylogos und Klingeltöne aussuchen.
Dies stellt zwar eine große Ersparnis dar, zum anderen
ist die Versuchung jedoch groß, von vielen verschiedenen
Firmen so ein Monatspaket zu abonnieren, so dass sich hier die
Preisspirale weiter nach oben dreht. Der andere Nachteil betrifft
eher die Leute, die auf den Handylogotrend nicht aufspringen
wollen – die Werbung der diversen Anbieter erreicht inflationäre
Ausmaße, mit teils kontraproduktiven Auswirkungen: anstatt
sich zum Kauf eines Handylogos und der CD des dazugehörigen
Stars animiert zu fühlen, wird bei vielen Verbrauchern
ein akuter Fall von Konsumverweigerung eintreten.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
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