ISDN – EIN ANSCHLUSS, VIELE MÖGLICHKEITEN
Jeder kennt sie, die klassische Vorstellung einer vier- bis fünfköpfigen
Familie mit einem Telefonanschluss: die 14-jährige Tochter möchte
mit ihrem Freund flirten, während der 16-jährige Sohn die
neuesten Computerspiele mit seinem Kumpel durchsprechen will. Die Mutter
versucht schon seit Stunden, mal eine freie Leitung zu bekommen, um
mit der Großmutter zu sprechen und der Vater sitzt resigniert
mit der Zeitung im Wohnzimmer – er hat es aufgegeben, sich mit
den Skatbrüdern zu verabreden. So oder so ähnlich spielt es
sich wohl häufig ab, und alle Versuche, dem ganzen mit Telefonzeiten-
und -quoten beizukommen, scheitern an mangelnder Praktikabilität.
Eine zweite Leitung ins Haus legen zu lassen, ist oft mit viel Papierkrieg
und Bohren verbunden, kommt also auch nur im Extremfall in Frage. Die
Lösung: ISDN. Denn hinter dieser geheimnisvoll wirkenden Buchstabenkombination
steckt eine Technik, mit der man zwei völlig unabhängige Leitungen
aus einem konventionellen Telefonanschluss machen kann.
ISDN steht für ‚Integrated Services Digital Network’ – was
man auf Deutsch am Besten mit ‚Digitales Netzwerk für verbundene
Dienste’ übersetzen kann, die Sache aber nicht unbedingt
klarer macht. Was also ist ISDN?
ISDN nutzt die digitale Übermittlung von Daten, was schneller
ist als die herkömmliche Übermittlung via analoge Technik.
Mit Hilfe eines Umwandlers können so z. B. Sprachsignale in digitale
Signale umgewandelt werden, die dann durch die Leitungen geschickt
werden. Somit können nicht nur Telefonate schneller aufgebaut,
sondern auch Daten aus dem Internet mit einer höheren Geschwindigkeit
herunter geladen werden. Aber auch Faxe oder Teletext können über
diese Leitung geschickt werden.
Die Leitung wird in drei Kanäle aufgeteilt, die in unterschiedlichen
Frequenzbereichen arbeiten. Ein Kanal ist quasi ein Technikkanal,
er übernimmt die Steuerung der Anlage. Die anderen beiden Kanäle
stehen jedoch dem Nutzer frei zur Verfügung. Sie sind völlig
identisch, das heißt, man kann mit beiden Kanälen telefonieren,
im Internet surfen oder Faxe verschicken.
Noch praktischer: Mit ISDN kann man bis zu 10 verschiedene Telefonnummern
beantragen. Für den normalen Haushalt ist das sicher etwas übertrieben,
aber drei Nummern machen bereits Sinn.
ISDN ermöglicht aber noch mehr – der Standardanschluss
verfügt beispielsweise über die “Anklopffunktion”,
bei der den Gesprächspartnern durch ein Tonsignal mitgeteilt
wird, dass noch jemand versucht, anzurufen. Dann kann der Anschlussinhaber
seinen aktuellen Gesprächspartner in die Warteschleife schicken
und den anderen Anrufer bedienen. Dies nennt man Makeln. Auch Dreierkonferenzen
sind möglich, das heißt, dass mit einer ISDN-Anlage bis
zu drei Anschlüsse miteinander telefonieren können.
Auch dabei ist die Rufnummernübermittlung – man kann auf
dem Display sehen, wer anruft, aber auch umgekehrt wird die eigene
Rufnummer mitgeschickt. Diese Technik ist aber mittlerweile nicht
mehr exklusiv auf ISDN beschränkt, auch von normalen Anschlüssen
wird die Nummer teils übertragen. Sie funktioniert auch nur,
wenn der Anrufer über eine digitale Telefonleitung verfügt,
wie sie mittlerweile immer mehr verbreitet sind.
ISDN hat natürlich auch ein paar Nachteile. So muss man sich
entweder neue Telefone zulegen, denn die herkömmlichen analogen
Geräte können die digitalen Signale nicht entschlüsseln.
Oder aber man benötigt einen AB-Wandler, der die digitalen Impulse
wieder in analoge Signale umwandelt. Auf jeden Fall muss in eine ISDN-Anlage
investiert werden, die die Gespräche zwischen den Telefonen vermittelt
und auch Funktionen wie die Dreierkonferenz oder das Makeln übernimmt.
Auch die Installation von ISDN-Anlagen ist offenbar für technisch
Unbedarfte nicht ganz einfach. Zwar bietet die Telekom (als Hauptanbieter
von ISDN-Anschlüssen immer noch die erste Anlaufstelle für
viele Interessierte) zwar Prospekte an, die einen durch den Anschlussprozess
führen sollen. Doch bleiben trotz aller Vorsichtsmaßnahmen
häufig die Leitungen still. Wer dann dafür verantwortlich
ist, hängt davon ab, welche Art des Fehlers vorliegt. Liegt der
Fehler bei der Telekom, kann für jeden Tag, an dem das Telefon
nicht funktioniert, 1/30stel der Grundgebühr durch den Anschlussinhaber
einbehalten werden – aber lieber wäre es wohl Vielen, wenn
der Anschluss reibungslos funktionieren würde. Von diesen Kinderkrankheiten
scheint sich ISDN jedoch langsam zu verabschieden.
Ein weiterer Nachteil, der jedoch verschmerzbar ist, ist die erhöhte
Grundgebühr – sie beträgt rund 23 Euro im Monat. Dafür
kann man aber häufig günstigere Tarife nutzen, die dann
wiederum Telefonkosten sparen. Prinzipiell scheint es aber so zu sein,
dass sich ISDN in Zukunft nur für Leute lohnt, die wirklich zwei
Telefonleitungen brauchen. Geht es darum, zu verhindern, dass Internet
und Telefon sich gegenseitig behindern, heißt das Zauberwort
DSL – mit geringem technischen Aufwand kann die Telefonleitung
zweigeteilt werden und eine Hälfte für die Übertragung
von Internetdaten genutzt werden, während die andere Hälfte
frei bleibt für Telefongespräche – ohne Qualitätsverlust.
Der Haken hierbei allerdings: DSL ist vor allem in ländlichen
Gebieten auf Grund von technischen Problemen noch nicht verfügbar.
Bis diese Technik überall erhältlich ist, werden leider
noch ein paar Jahre ins Land gehen. Somit bleibt ISDN doch noch eine
Weile auf dem Markt – denn es ist überall in Deutschland
verfügbar.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
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